Maiglöckchen


Convallaria majalis L.

Nun hält's auch mich nicht mehr zu Haus
Maiglöckchen ruft auch mich.
Die Blümchen geh'n zum Tanze aus,
zum Tanzen geh' auch ich!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Inhalt:

 

Namen von Maiglöcken

Viele Namen trägt diese hübsche Frühlingsblume, man nennt sie auch:

Augenkraut, Faltrianblume, Frauenträne, Lilie des Tales (lily of the valley), Maiblume, Maililie, Maischelle, Mairöschen, Marienglöckchen, Marienträne, Niesekraut, Springauf, Talblume und Zauke.

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Maiglöckchen - Legenden

Eine Legende erzählt, wie die Maiglöcken aus den Tränen entsanden, die Maria unter dem Kreuz vergossen hat.


Originalbild von Dirk Bouts

Nach einer Legende aus Frankreich entstanden die Maiglöcken aber aus dem Blut eines Heiligen namens Saint Leonard, das er beim Kampf gegen einen schrecklichen Drachen verlor, bevor der Drache besiegt wurde.

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Maiglöckchen-Symbolik

Maiglöckchen sind Marienblumen, vermutlich ist das aber ein mittelalterliches Missverständnis, denn man brachte die Blume irrtümlich mit der "Lilie des Tales" in Verbindung, die im Hohelied Salomos erwähnt wird. Dieses wird in der Kirche oft auf Maria bezogen. "Lilie des Tales", Lily of the valley, so heißen die Maiglöckchen tatsächlich in England. Vermutlich handelt es sich im Hohelied aber wohl doch eher um wirkliche Lilien.

Die weiße Farbe der Maiglöckchen symbolisiert die Unschuld und Reinheit, es steht für Demut und Bescheidenheit. Von daher passt es schon zu Maria, der bescheidenen, "reinen Magd" und der Hoffnungsträgerin.

Weltlich stehen Meiglöckchen für erwachende Liebe, ihre grünen Blätter für Hoffnung. Mit diesem Symbolgehalt findet man die Maiglöckchen oft in Brautsträußen.

Aber auf alten Bildern sieht man sie auch in den Händen sterbender Märtyrer, denn sie stehen auch für tödliches Schicksal.

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Maiglöckchen Vorkommen

 

Maiglöckchen sollen ursprünglich nur in Europa vorgekommen sein, inzwischen gibt es sie aber auch in Asien und Amerika.

Sie wachsen gerne in lichten Buchenwäldern, an Stellen, die im Frühling noch Sonne bekommen.

Maiglöckchen stehen unter Naturschutz.
Das Ausgraben und Pflücken der Pflanzen
in freier Natur ist verboten!

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Maiglöckchen im Garten

Niemand weiß , wann das Maiglöckchen seinen Siegeszug in die Gärten angetreten hat. Nicht aufgeführt war es im "Capitulare vilis", der Landgüterverordnung Karls des Großen, und auch in den damals tonangebenden Klostergärten wurde es nicht angebaut.

In den Gartenbüchern des 16., 17., und 18. Jahrhunderts wird es allerdings schon als selbstverständliche Gartenpflanze erwähnt und auch als Arzneipflanze aufgeführt.

Es liebt warmen, humusreichen Boden und Halbschatten. In ausreichend feuchtem Boden gedeiht es auch in der Sonne. Am besten pflanzt man Maiglöckchen unter Sträucher und Bäume, an Stellen, wo sie sich ausbreiten und verwildern können. Sie bilden am richtigen Standort rasch dichte Teppiche. Wo sie sich eingewöhnt habwen, überwuchern sie rasch andere Pflanzen. Deshalb sollte man als Partner ausreichend konkurrenzstarke Stauden wählen, die sich nicht durch das Maiglöckchen verdrängen lassen, z. B. Funkien (Hosta), Bergenien, Farne und das Frühlings-Gedenkemein (Omphalodes verna). Maiglöckchen sind vollkommen winterhart und sogar bedingt trittfest..

Die Vermehrung erfolgt am besten durch Teilung der Rhizome, die im Herbst oder jetzt im Frühjahr flach eingepflanzt werden. Wichtig zu wissen ist, dass nur dreijährige Sprosse blühen. Als "Eiskeime" zur Zimmerkultur angebotene Maiglöckchen sind später im Garten längere Zeit weniger blühfreudig.

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Maiglöckchen Schnittblumen

Man kann Maiglöckchensträuße das ganze Jahr über in Blumenläden bekommen. Sie halten leider nicht sehr lange, auch wenn man sie pfleglich behandelt (unter 1 Woche). Wenn man sie frisch pflückt, sollte man die Stiele nicht abschneiden sondern zupfen. Veilchen sollen schneller verblühen, wenn sie mit Maiglöckchen zusammen in einer Vase stehen.

Tips, wie Schnittblumen länger halten, gibt es hier:

http://www.wdr.de/tv/ardheim/tips/blumen/strauss/lang.phtm

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Maiglöckchen Gift Heilpflanze

Maiglöckchen enthalten in allen Pflanzenteilen stark herzwirksame Glycoside (wie Fingerhut), die in hoher Dosierung zum Tode führen, und Stereoidsaponine, welche Übelkeit und Erbrechen hervorrufen.

Die Gifte werden allerdings nicht gut vom Körper aufgenommen, so dass nur die Einnahme einer größeren Menge von Pflanzenteilen wirklich ernsthafte Vergiftungen hervorruft. Diese Art von Giften löst sich nur sehr schwer in Wasser auf, deswegen ist, entgegen anders lautender Behauptungen, das Blumenwasser von Maiglöckchen nicht giftig. Dennoch sollte man es nicht undbedingt auf einen Versuch ankommen lassen.

Achtung: Verwechslungsgefahr mit Bärlauch!

Maiglöckchenblätter haben viel Ähnlichkeit mit den Blättern des Bärlauchs, der im Frühjahr gerne für Wildkräutergerichte gesammelt wird. Eine Geruchsprobe schafft Klarheit: Die Maiglöckenblätter riechen nicht, wie Bärlauchblätter, nach Knoblauch!

 

Bei Verdacht auf Vergiftung:
Giftnotrufzentralen:
http://www.berlin.de/Land/SenArbSozFrau/BBGes/itox/giftnotruf/d-zentr.htm

Eine medizinische Betreuung ist unbedingt notwendig!

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Wie bei vielen Arzneipflanzen haben die Gifte, richtig dosiert, auch positive Wirkungen.

Schon im Mittelalter wurden den Maiglöckchen Heilwirkungen zugeschrieben: In Otto Brunfels' Kräuterbuch von 1531 ist zm Besipiel zu lesen: "Meyenblümeleinwasser stercket das Hyrn, die synne und das hertz, vertreibet das Zyttern, die hände und arme damit gerieben." Und Hieronymus Bock empfielt "Meyenblumen" bei Schwindel, Fallsucht und Augenleiden. Nach Tabernaemontanus sollen sie bei Entzündungen und Geschwüren, Ohnmacht und verlorener Sprache und bei Gicht helfen.

Als Schnupftaback noch beliebt war, kamen die getrockneten und zerriebenen Blüten in den "Schneeberger Schnupftaback", der "das Gehirn reinigen" sollte.

Man glaubte auch, wenn man sich mit den Blättern das Gesicht abrieb, würde das Sommersprossen vertreiben und eine helle Haut machen. Darauf bezieht sich das obige Gedicht von Ludwig Uhland.

Wieder aktuell wurden Maiglöckchen als Heilpflanze, als man im vorigen Jahrhundert die Glykoside als Grundstoffe für Heilmittel entdeckt wurden. Da der Gehalt an diesen Stoffen in den Maiglöckchen nicht gleichbleibend ist, zieht man aber inzwischen Fingerhut als Arzneipflanze vor.

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Maiglöckchen Duft

Der süße Duft des Maiglöckchens ist wohl jedem bekannt. Früher hieß es, durch ihn würden die Nachtigallen aus den Hecken und Büschen gelockt und dazu gebracht, sich einen Gefährten zu erwählen.

In der Blüte befinden sich die Duftstoffe als etherische Öle, die sich rasch verflüchtigen und dabei den Wohlgeruch erzeugen. Ihnen liegen komplexe Strukturen zu Grunde, die aus vielen Einzelkomponenten gebildet werden und durch ihre Kombination den arteigenen Geruchseindruck ergeben.

Man gewinnt die etherischen Öle durch Pressen, Destillation Extraktion und kann sie dann für Parfumkompositionen verwenden. Um die Jahrhundertwende war Maiglöckchenduft als Parfum sehr beliebt, Kaiserin Josephine hat ihn gerne benutzt. Nachdem er einige Zeit ziemlich aus der Mode gekommen war, steht er in der Hitliste der Parfumeure heute wieder ziemlich weit oben und ist Teil vieler moderner Parfumkreationen.

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Parfums mit Maiglöckenduft:

  • Anais-Anais
  • Bruno Banani Woman
  • Diorissimo von Dior
  • Envy von Gucci
  • Emotion von Laura Biagotti
  • Libertine von Vivienne Westwood
  • Mexx Women
  • Parfum d'ete von Kenzo

In der Aromatherapie wird Maiglöckchenduft kaum genutzt. Er soll, wie Ylang-Ylang, heiter und gelassen stimmen.

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Maiglöckchen Zauberpflanze

Früher hieß es, man könne Sommersprossen verschwinden lassen, wenn man das Gesicht mit Maiglöckchen abriebe.

Hexen besprengten ihre Altäre mit Maiglöckchenwasser, um Frieden und Glück herbei zu rufen.

Glück sollte auch derjenige haben, der am 1. Mai Maiglöckchen bei sich trägt, und dieses soll das ganze Jahr anhalten. In Frankreich ist es auch heute noch Sitte, am ersten Mai auf der Straße Maiglöckchensträuße als Glücksbringer zu verkaufen. In Frankreich heißt der erste Mai deswegen auch "jour de muguet" (Maiglöckchentag).

Doch auch Böses sollten die "Maiblumen" bewirken: Man glaubte, die Kühe von unliebsamen Nachbarn verhexen zu können, indem man ein Maiglöckchen unter die Schwelle zum Stall versteckte.

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