Maikäfer

Wilhelm Busch

Inhalt:

Lateinischer Name:

Diese Maikäfer sind bei uns verbreitet:

  • Melolontha melolontha (Feldmaikäfer)
  • Melolontha hippocastani (Waldmaikäfer)
  • Melolontha pectoralis, der aber wohl nur noch ganz selten in Süddeutschland vorkommt.

Die drei Arten unterscheiden sich durch die Form des letzten Hinterleibssegments.

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Verbreitung:

Maikäfer findet man in ganz Mitteleuropa. Sie leben vor allem an Waldrändern und in Laubwäldern.

Aussehen:

Jeder kennt wohl den großen braunen Käfer, Brust und Kopf sind schwarz, und er hat am Hinterleib ein charakteristisches Muster in Schwarz-Weiß.

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Entwicklung:

Ein Großteil seines Lebens verbringt der Maikäfer als Larve in der Erde. Engerlinge nennt man die dicken weißen Würmer. Sie ernähren sich von Wurzeln und sind nach 4 Jahren ungefähr 6 cm lang. Im August verpuppen sie sich, nach 4 bis 8 Wochen schlüpfen die Maikäfer, die den Winter noch in der Erde verbringen und erst im Frühjahr des 5. Jahres heraus kommen.

In manchen Jahren schwärmen die Käfer zu Hunderttausenden aus, um sich zu paaren und Eier zu legen. Sie haben dafür wenig Zeit, denn die erwachsenen Tiere leben nur wenige Tage.

Die Weibchen legen ihre Eier in die Erde, in Gruppen von etwa 20 bis 40 Stück ungefähr 20 cm tief. Jedes Weibchen legt insgesamt ungefähr 60 bis 80 Eier.

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Maikäfer als Landplage

Früher galten Maikäfer als regelrechte Landplage. Er wurde gejagt, die Bauern führten einen regelrechten Krieg dagegen. Kinder wurden ausgesandt, die braunen Tiere von den Bäumen zu schütteln und kassierten Pfennigprämien. Die Käfer wurden dann an Hühner, Schweine und Fische verfüttert, oder auch mit kochendem Wasser übergossen und vergraben.

Ein kurioses Urteil erging im Mittelalter: 1320 wurden Maikäfer dazu verurteilt, innerhalb von 3 Tagen ein bestimmtes, mit Tafeln gekennzeichnetes Feld zu verlassen. Danach galten sie als vogelfrei und durften bekämpft werden.

Maikäfer können aber unter Umständen wirklich große Schäden anrichten. Wenn im Boden viele Engerlinge vorhanden sind, können sie ganze Obstplantagen oder Schonungen absterben lassen. Die Käfer selber tun sich an Blättern gütlich, und bei Massenauftreten können sie angeblich in einer Nacht einen ganzen Baum kahl fressen. Sie bevorzugen Eichenlaub, fressen aber auch die Blätter von Obstbäumen. Noch vor einigen Jahrzehnten schätzte man den Schaden durch Engerlinge in Deutschland auf 100 Millionen Goldmark.

Wenn eine Maikäferplage droht, wird meist eine Sondererlaubnis erteilt, die Engerlinge mit der chemischen Keule zu bekämpfen. Allerdings werden die Engerlinge dadurch nur zu 90 % vernichtet, und dabei auch Nützlinge geschädigt. Man versucht auch, spezielle Pilzsporen oder Neem-Extrakt einzusetzen. Es hilft auch, den Boden mit engmaschigen Netzen abzudecken, weil die Tiere dann keine Eier ablegen können.

Vor einiger Zeit dachte man noch, Maikäfer wären am Aussterben, jetzt weiß man, dass sie in Zyklen auftreten, die drei bis 5 Jahre dauern und regional syncron ablaufen. Daneben gibt es aber auch 30 - 40 Jahre lange Zyklen in denen plötzlich Unmengen von Käfern herumschwirren oder aber auch recht selten werden. Die Ursachen dafür kennt man noch nicht, und die Schwankungen lassen sich auch noch nicht zuverlässig voraus sagen.

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Kaiser, Müller, Schornsteinfeger

Die Kinder waren früher begeisterte Maikäfersammler, sie hielten die Tiere eine Weile in gelochten Kartons und brachten ihnen Blätter als Nahrung. Die Maikäfer waren für sie auch eine begehrte Tauschware! Man unterteilte sie in mehrere Arten:

  • Kaiser: rötlicher Kopf und rötliches Brustschild
  • Müller: mehlig weißlich behaart
  • Schornsteinfeger: dunkel mit wenig Behaarung

Die "Kaiser" kamen am seltensten vor und hatten dementsprechend einen hohen Sammel- und Tauschwert!

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Maikäfer als Gourmetspeise

1844 schwärmte ein geheimer Medizinalrat namens Schneider von Maikäfersuppe: "...wohlschmeckend und mineralstoffreich, ihr Geruch ist angenehm, ihre Farbe bräunlich."

Wer probieren möchte, findet hier das Rezept für Maikäferbouillon, wie sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts in französischen Restaurants angeboten wurde:

 

 

Zutaten:

1 Pfund Maikäfer
4 Lot Butter
1 l Hühnerbrühe
etwas Kalbsleber
Weißbrotscheiben
Schnittlauch

Zubereitung:Man reisse den Käfern Flügeldecken und Beine ab und röste die Körper in der Butter knusprig. Dann koche man sie in der Hühnerbrühe ab, tue etwas geschnittene Kalbsleber hinein und serviere das Ganze mit Schnittlauch und gerösteten Semmel-scheiben.

Na denn: Guten Appetit!

 

Angeblich schmeckt Maikäfersuppe ähnlich wie Krebssuppe. Auf jeden Fall enthalten die Käfer jede Menge Mineralstoffe und Eiweiß.

Im 18. und 19. Jahrhundert dienten Maikäfer, roh gegessen, als Aphrodisiakum. Außerdem wurden sie in Honig eingemacht oder kandiert verspeist.

Die Fuldaer Zeitung schrieb sogar noch 1925 : "Unsere Studenten essen die Maikäfer ganz roh, ganz wie sie sind und nicht wenige ohne den geringsten Nachteil. In vielen Konditoreien sind sie verzuckert zu haben, und man ißt sie kandiert in Tafeln zum Nachtisch".

Heutzutage bevorzugen Naschkatzen allerdings vermutlich doch eher Schokolade-Maikäfer! Allerdings hat Starkoch Vincent Klink sich durchaus schon Gedanken über eine Vorspeise aus Maikäfern gemacht...

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Maikäfer in Voksheilkunde und Wissenschaft

In der Volksmedizin fanden Maikäfer in folgender Form Verwendung:

  • Getrocknete und pulverisierte Käfer wurden gegen Gicht oder Epilepsie eingesetzt
  • Maikäferköpfe sollten gegen Fieber helfen
  • Ein aus Engerlingen gewonnenes Öl sollte die Nerven stärken und wurde auch als einreibemittel gegen Rheuma benutzt.

Einen weiteren praktischen Nutzen der Maikäfer beschreibt der Ornithologe und Schriftsteller Kurt Floericke (1869-1934) in seinem Bändchen "Käfervolk": "DA die Maikäfer sehr fett sind, kann man durch Auskochen oder Auspressen ein derbes Öl aus ihnen gewinnen, das als Wagenschmiere oder bei der Seifenbereitung sich verwenden lässt."

Kurios die Studien des belgischen Forschers Fèlix Plateau (1841-1911), der Maikäfer mittels eines kleinen Geschirrs Lasten schleppen ließ und feststellte, dass er das Vierzehnfache seines Gewichts schleppen kann und daher im Verhältnis etwa so stark ist wie eine Lokomotive der damaligen Zeit.

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