
Der
Mai hat auch andere Namen, er heißt:
- Wonnemonat:
denn der erste warme Monat ist der Monat der Liebe
- Weidemonat:
denn jetzt kommt das Vieh aus den Ställen auf die Weide oder auf die Alm
- Marienmonat:
so heißt er bei den frommen Christen.
- Blumenmonat:
bei den Gärtnern.
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Die
große Hochzeit

"Gothaer
Liebespaar", gemalt
von einem noch immer
rätselhaften Künstler der Vor-Dürerzeit,
dem Meister
des Amsterdammer Kabinetts um 1480/85
Bei
den alten Germanen war der 1. Mai ein ganz besonderer Feiertag, an dem sich die
mütterliche Erdgöttin Freia bei der "großen Hochzeit" mit dem Himmelsgott
Wotan vermählte. Anfangs wurden Wotan noch Menschenopfer, später dann Rinder,
Pferde oder Korn geopfert. Die große Hochzeit wurde bei vielen Völkern rituell
nachgespielt, in einer Priesterin oder in der Herrscherin personifizierte sich
die Göttin, und ein Priester oder der Herrscher war Wotan, oder einfach das Land.
Die Vereinigung sollte für das Land eine gute Zeit bewirken. Diese "heilige"
Hochzeit hat sich bis in die Neuzeit noch erhalten, z. B. "Beischlaf auf
dem Acker".
Immer
noch ist der Mai der Wonnemonat, der Monat der Liebe. Viele Bräuche im Mai ranken
sich um Liebe und Liebeswerben. Viele Hochzeiten werden jetzt abgehalten, obwohl
es doch früher oft hieß:

Die
heilige Hochzeit lässt sich in so manchen unserer heutigen Maibräuche wiederfinden,
die alle viel mit der Liebe zu tun haben, zum Beispiel die Wahl des hübschesten
Mädchens im Dorf, ihr wurde z. B. ein blühender Weißdornzweig in den Garten gesteckt.
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Maikönigin:
In
diese Richtung weist auch der folgende Brauch, der in einigen Gegenden üblich
ist: Die jungen Männer stibitzen in der Mainacht ihren Mädchen die Blumenstöcke
vom Fensterbrett und bringen sie zu einem mit Tannengrün geschmückten Brunnen.
Das Mädchen, was morgens als erste ihren Blumentopf sucht, wird Maikönigin, und
man sagt, dass sie als erste von allen heiraten wird.
Manchmal
werden in der Nacht auch die Häuser heimlicher Liebespaare mit Pfaden aus Spräu
oder Sand verbunden.
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Maien und
Schandmaien:
In
einigen Gegenden ist es üblich, dass die Junggesellen ihren Angebeteten "den
Maien stecken", die Maien waren möglichst groß und prächtig und bestanden
meistens aus geschmückten Birken oder Fichten.
Den
unbeliebten Mädchen, oder denen, die einen schlechten Ruf haben, werden stattdessen
Schandmaien mit alten Besen gesteckt, oder man stellt ihnen Gülletrichter, Büschele
oder Strohbutze unter das Fenster.
Die
Maien sollen den ganzen Monat stehen bleiben, weil das sonst eine Zurückweisung
bedeutet, aber es gibt am ersten Mai immer ziemlich viele Frühaufsteher...
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Mai-Lehen:
Dabei
werden am ersten Mai die über 16jährigen Mädchen als Maibräute unter den Junggesellen
"versteigert". Die Jungen dürfen ihre Maibräute den ganzen Monat zu
Sonntagsspaziergängen und Tanzveranstaltungen ausführen. Natürlich setzt dieser
auch heute noch sehr beliebte Brauch das Einverständnis der Mädchen voraus. Beim
Mai-Lehen werden der Maikönig und die Maikönigin gekürt (meist derjenige, der
bei der Versteigerung das Meiste geboten hat, und seine Maibraut), die dann den
Vorsitz bei allen geselligen Veranstaltungen im Mai führen.
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Maitanz:
Das
Maifest war wohl immer eine Art Volksfest, anders als manche anderen Feste, die
man in engerem Kreise feierte. Darum spielt auch das Tanzen bei diesem Fest eine
wichtige Rolle. Der "Tanz in den Mai" wird auch heutzutage in vielen
Städten und Dörfern noch veranstaltet. Unendlich viel Liedgut und Reigentänze,
die Maienzeit betreffend, haben sich über viele Jahrhunderte hinweg bis in unsere
nüchterne Welt am Anfang des 21. Jahrhunderts erhalten.

Original: Heinrich
Zille (1858-1929)
Es
gibt lustige Maitänze und feierliche Kreistänze, die vielleicht den Lauf der Sonne
darstellen und natürlich auch Paartänze. Aber nicht nur in der Mainacht wird getanzt,
sondern auch am 1. Mai selber. Auch heute noch tanzt man um den Maibaum den Bändertanz,
daber ergreift jeder Tänzer ein am Maibaum befestigtes, langes Band. In komplizierten
Kreisen tanzen sie dann um den Stamm und um einander. Schließlich ergeben die
Bänder ein richtiges Gewebe, das Symbol für die Gemeinschaft.
Der
1. Mai war früher für die jungen Leute eine der wenigen Gelegenheiten,
sich kennenzulernen. Unter den Tanzfiguren des Volkstanzes findet man daher Kräftemessen,
Werben und Finden, aber auch Ablehnen. In einigen Orten wird auch heute noch der
Schwerttanz getanzt, ein Tanz der Männer, der den Kampf des Sommers gegen den
Winter symbolisiert, bei dem der Winter, verkörpert durch einen Mann, symbolisch
getötet wird. Bei den ruhigeren Tänzen macht dann auch die ältere Generation mit.
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Umzüge
und Paraden

"The Progress
of Spring" von Charles Daniel Ward
(1872-?)
Nicht
nur mit Maitanz und Maibaum feiert man den Frühling. In einigen Gegenden
gibt es Maiumzüge, oft mit einer Maikönigin. Solche Prozessionen haben auch schon
in der Antike stattgefunden.

Seit
alters her ist der 1. Mai auch ein Termin für Ritterfeste und Turniere. Pipin
der Kurze hat 755 die große jährliche Waffenschau der Wehrfähgigen auf den Maianfang
gelegt.Noch heute gibt es in einigen Ländern am 1. Mai große nationale
Heerschauen.
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Maiandachten

Im
Mai werden in katholischen Gemeinden täglich Andachten gehalten. Viele davon
sind der Maria gewidmet, denn Maria wird mit Fruchtbarkeit und Wachstum assoziiert,
und weil der Mai der Monat mit dem stärksten Wachstum in der Natur ist, wurde
er für die fromen Christen zum Marienmonat. In einigen Gegenden stellt man im
Hause einen kleinen, blumengeschmückten Marienaltar auf mit Marienbildern und
Kerzen, die abends zum Nachtgebet entzündet werden.
Seit
1955 feiert die katholische Kirche am 1. Mai das Fest "Josef der Arbeiter",
es geht auf deine Stiftung Papst Pius' XII im Jahre zurück.
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Aberglauben
Wie
um Ostern auch, ranken sich um den 1. Mai allerlei abergläubische Bräuche:
- Maiwasser:
soll wie Osterwasser Schönheit und Gesundheit bringen. Besondere Kräfte hat Mairegen:
Er soll das Wachstum anregen, weshalb sich vielerorts die Kinder im Mai gerne
nassregnen lassen. Er soll auch gut sein für den Haarwuchs.
- Wer
am Maitag etwas leiht, kann hexen.
- Um
Läuse zu vertreiben, muss man am Maitag vor Sonnenaufgang unter Stillschweigen
3 Hände voll Stroh aus dem Bett nehmen und auf den Gerstenacker bringen.
- Klettenwurzel,
am 1. Mai schweigend ausgegraben und dann im Haus verteilt, soll Ratten vertreiben.
- Mädchen
sollen sich beim Maitanz einen Efeukranz aufsetzen, um einen Liebsten anzulocken.
- Man
soll am 1. Mai nicht backen, oder Flachs schwingen und brechen, weil es dann das
ganze Jahr nicht regnen soll.
- Wenn
man das Vieh an diesem Tage wäscht, oder mit Ruten zwickt, so soll es besonders
gut gedeien.
- Am
1. Mai soll man kein Korn sähen, denn Maikorn sollen die Würmer fressen.
- Wer
im Mai Salbei isst, der wird ein langes Leben haben.