"Le Printemps" von Pierre Auguste Cot (1837-1883)

...der Sommer fährt dahin.
Mir ist ein schön Jungfräulein
gefall'n in meinen Sinn.
Bei ihr, da wär mir wohl,
wenn ich nur an sie denke,
mein Herz gar freudenvoll.

aus: "Des Knaben Wunderhorn"

Den ganzen Text gibt es hier:

http://www.acronet.net/~robokopp/Lieder/wieschob.html

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Inhalt:

Schon immer hat wohl diese Jahreszeit die Menschen zum Feiern angeregt, denn nun ist der Winter auch in den nordischen Ländern (wo die meisten Frühlingsriten erst um diese Zeit herum gefeiert wurden) vorbei, das Leben wird leichter, die große Hochzeit der Natur hat begonnen, überall wird der Frühling begrüßt, die Natur erneuert sich ("Alles neu macht der Mai").

Der Mai ist der fünfte Monat des gregorianischen Kalenders. Schon im Althochdeutschen heißt er "maio" und im mittelhochdeutschen "meie, Meige".

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Mai kommt von den Göttern

Die Herkunft des Namens ist ziemlich umstritten, vielleicht standen diese Götter Pate:

  • Jupiter Maius, der Chef des römischen Götter-Pantheons
  • die griechische Göttin Maia oder Maja, die große Erdgöttin, die Mutter Merkurs.

Der Mai hat auch andere Namen, er heißt:

  • Wonnemonat: denn der erste warme Monat ist der Monat der Liebe
  • Weidemonat: denn jetzt kommt das Vieh aus den Ställen auf die Weide oder auf die Alm
  • Marienmonat: so heißt er bei den frommen Christen.
  • Blumenmonat: bei den Gärtnern.

 

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Die große Hochzeit


"Gothaer Liebespaar", gemalt von einem noch immer
rätselhaften Künstler der Vor-Dürerzeit, dem
Meister
des Amsterdammer Kabinetts um 1480/85

Bei den alten Germanen war der 1. Mai ein ganz besonderer Feiertag, an dem sich die mütterliche Erdgöttin Freia bei der "großen Hochzeit" mit dem Himmelsgott Wotan vermählte. Anfangs wurden Wotan noch Menschenopfer, später dann Rinder, Pferde oder Korn geopfert. Die große Hochzeit wurde bei vielen Völkern rituell nachgespielt, in einer Priesterin oder in der Herrscherin personifizierte sich die Göttin, und ein Priester oder der Herrscher war Wotan, oder einfach das Land. Die Vereinigung sollte für das Land eine gute Zeit bewirken. Diese "heilige" Hochzeit hat sich bis in die Neuzeit noch erhalten, z. B. "Beischlaf auf dem Acker".

Immer noch ist der Mai der Wonnemonat, der Monat der Liebe. Viele Bräuche im Mai ranken sich um Liebe und Liebeswerben. Viele Hochzeiten werden jetzt abgehalten, obwohl es doch früher oft hieß:

Die heilige Hochzeit lässt sich in so manchen unserer heutigen Maibräuche wiederfinden, die alle viel mit der Liebe zu tun haben, zum Beispiel die Wahl des hübschesten Mädchens im Dorf, ihr wurde z. B. ein blühender Weißdornzweig in den Garten gesteckt.

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Maikönigin:

In diese Richtung weist auch der folgende Brauch, der in einigen Gegenden üblich ist: Die jungen Männer stibitzen in der Mainacht ihren Mädchen die Blumenstöcke vom Fensterbrett und bringen sie zu einem mit Tannengrün geschmückten Brunnen. Das Mädchen, was morgens als erste ihren Blumentopf sucht, wird Maikönigin, und man sagt, dass sie als erste von allen heiraten wird.

Manchmal werden in der Nacht auch die Häuser heimlicher Liebespaare mit Pfaden aus Spräu oder Sand verbunden.

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Maien und Schandmaien:

In einigen Gegenden ist es üblich, dass die Junggesellen ihren Angebeteten "den Maien stecken", die Maien waren möglichst groß und prächtig und bestanden meistens aus geschmückten Birken oder Fichten.

Den unbeliebten Mädchen, oder denen, die einen schlechten Ruf haben, werden stattdessen Schandmaien mit alten Besen gesteckt, oder man stellt ihnen Gülletrichter, Büschele oder Strohbutze unter das Fenster.

Die Maien sollen den ganzen Monat stehen bleiben, weil das sonst eine Zurückweisung bedeutet, aber es gibt am ersten Mai immer ziemlich viele Frühaufsteher...

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Mai-Lehen:

Dabei werden am ersten Mai die über 16jährigen Mädchen als Maibräute unter den Junggesellen "versteigert". Die Jungen dürfen ihre Maibräute den ganzen Monat zu Sonntagsspaziergängen und Tanzveranstaltungen ausführen. Natürlich setzt dieser auch heute noch sehr beliebte Brauch das Einverständnis der Mädchen voraus. Beim Mai-Lehen werden der Maikönig und die Maikönigin gekürt (meist derjenige, der bei der Versteigerung das Meiste geboten hat, und seine Maibraut), die dann den Vorsitz bei allen geselligen Veranstaltungen im Mai führen.

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Maitanz:

Das Maifest war wohl immer eine Art Volksfest, anders als manche anderen Feste, die man in engerem Kreise feierte. Darum spielt auch das Tanzen bei diesem Fest eine wichtige Rolle. Der "Tanz in den Mai" wird auch heutzutage in vielen Städten und Dörfern noch veranstaltet. Unendlich viel Liedgut und Reigentänze, die Maienzeit betreffend, haben sich über viele Jahrhunderte hinweg bis in unsere nüchterne Welt am Anfang des 21. Jahrhunderts erhalten.


Original: Heinrich Zille (1858-1929)

Es gibt lustige Maitänze und feierliche Kreistänze, die vielleicht den Lauf der Sonne darstellen und natürlich auch Paartänze. Aber nicht nur in der Mainacht wird getanzt, sondern auch am 1. Mai selber. Auch heute noch tanzt man um den Maibaum den Bändertanz, daber ergreift jeder Tänzer ein am Maibaum befestigtes, langes Band. In komplizierten Kreisen tanzen sie dann um den Stamm und um einander. Schließlich ergeben die Bänder ein richtiges Gewebe, das Symbol für die Gemeinschaft.

Der 1. Mai war früher für die jungen Leute eine der wenigen Gelegenheiten, sich kennenzulernen. Unter den Tanzfiguren des Volkstanzes findet man daher Kräftemessen, Werben und Finden, aber auch Ablehnen. In einigen Orten wird auch heute noch der Schwerttanz getanzt, ein Tanz der Männer, der den Kampf des Sommers gegen den Winter symbolisiert, bei dem der Winter, verkörpert durch einen Mann, symbolisch getötet wird. Bei den ruhigeren Tänzen macht dann auch die ältere Generation mit.

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Umzüge und Paraden


"The Progress of Spring" von Charles Daniel Ward (1872-?)

Nicht nur mit Maitanz und Maibaum feiert man den Frühling. In einigen Gegenden gibt es Maiumzüge, oft mit einer Maikönigin. Solche Prozessionen haben auch schon in der Antike stattgefunden.

Seit alters her ist der 1. Mai auch ein Termin für Ritterfeste und Turniere. Pipin der Kurze hat 755 die große jährliche Waffenschau der Wehrfähgigen auf den Maianfang gelegt.Noch heute gibt es in einigen Ländern am 1. Mai große nationale Heerschauen.

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Maiandachten

Im Mai werden in katholischen Gemeinden täglich Andachten gehalten. Viele davon sind der Maria gewidmet, denn Maria wird mit Fruchtbarkeit und Wachstum assoziiert, und weil der Mai der Monat mit dem stärksten Wachstum in der Natur ist, wurde er für die fromen Christen zum Marienmonat. In einigen Gegenden stellt man im Hause einen kleinen, blumengeschmückten Marienaltar auf mit Marienbildern und Kerzen, die abends zum Nachtgebet entzündet werden.

Seit 1955 feiert die katholische Kirche am 1. Mai das Fest "Josef der Arbeiter", es geht auf deine Stiftung Papst Pius' XII im Jahre zurück.

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Aberglauben

Wie um Ostern auch, ranken sich um den 1. Mai allerlei abergläubische Bräuche:

  • Maiwasser: soll wie Osterwasser Schönheit und Gesundheit bringen. Besondere Kräfte hat Mairegen: Er soll das Wachstum anregen, weshalb sich vielerorts die Kinder im Mai gerne nassregnen lassen. Er soll auch gut sein für den Haarwuchs.
  • Wer am Maitag etwas leiht, kann hexen.
  • Um Läuse zu vertreiben, muss man am Maitag vor Sonnenaufgang unter Stillschweigen 3 Hände voll Stroh aus dem Bett nehmen und auf den Gerstenacker bringen.
  • Klettenwurzel, am 1. Mai schweigend ausgegraben und dann im Haus verteilt, soll Ratten vertreiben.
  • Mädchen sollen sich beim Maitanz einen Efeukranz aufsetzen, um einen Liebsten anzulocken.
  • Man soll am 1. Mai nicht backen, oder Flachs schwingen und brechen, weil es dann das ganze Jahr nicht regnen soll.
  • Wenn man das Vieh an diesem Tage wäscht, oder mit Ruten zwickt, so soll es besonders gut gedeien.
  • Am 1. Mai soll man kein Korn sähen, denn Maikorn sollen die Würmer fressen.
  • Wer im Mai Salbei isst, der wird ein langes Leben haben.