HIer wird Ostern als Kirchenfest gefeiert. Es gibt Informationen über Palmsonntag und Fastenzeit. Was hat grüne Soße mit Ostern zu tun?
Matthias
Grünewald (1470/80-1528):
Die Passionszeit Die Passion bezeichnet das Leiden Christi. Früher wollten die Menschen in dieser Zeit symbolisch mit Jesus mitleiden, deswegen wurde die Zeit vor Ostern zu einer Fastenzeit. Sie dauert 40 Tage und beginnt mit dem Aschermittwoch, der letzte Tag ist der Ostersamstag. Dabei werden nur die Werktage gezählt, die Sonntage sind keine Fastentage. In dieser Zeit verzichteten die Gläubigen früher auf Fleischspeisen und Wein, später auch noch auf Milch, Butter, Käse und Eier. Es gab jeweils nur eine Mahlzeit am Abend. Ganz so streng ist man heute nicht mehr. Aber für viele ist diese Zeit immer noch eine Zeit der Rückbesinnung, einige "fasten", indem sie auf Dinge verzichten, die ihnen selbstverständlich geworden sind, wie Süßigkeiten, Alkohol oder Fernsehen. Andere machen eine Diät oder auch eine "echte" Fastenkur.
Palmsonntag Palmen- und andere Zweige als Zeichen des Triumphes, das ist ein sehr altes Symbol. Auch die römischen Eroberer trugen sie in den Händen. als sie in besetzte Gebiete einzogen. Kein Wunder, dass man damit auch Jesus Ehre erwies, als er nach Jerusalem kam. "Zweige von den Bäumen" warfen sie auf seinen Weg. Dieses Triumphzuges gedenkt man in der Kirche nun am Palmsonntag. Damals waren das natürlich "echte" Palmenzweige, hierzulande und heutzutage bestehen die Palmen aus heimischen, oft immergrünen Zweigen (Buchs, Hasel, Tannen, Eiben, Efeu, manchmal auch Obstbaumzweige). Diese werden an Stecken gebunden und üppig verziert mit Bändern, bunten Eiern, Gebildbroten oder Brezeln, manchmal auch Flitter. Mancherorts fertigt man die Palmbuschen kunstvoll aus Holzspänen. Die ersten Zeugnisse von Palmumzügen stammen aus dem 9. Jahrhundert, am Ende des Mittelalters waren sie dann sehr weit verbreitet, teilweise sogar in protestantischen Gegenden, obwohl Martin Luther diesen Brauch sehr bekämpfte. In der katholischen Kirche ist es wichtig, dass die Palmen in der Kirche geweiht werden. Nach dem Segnen in der Kirche, was mancherorts wegen der haushohen Stangen ordentliche Schwierigkeiten bereitet, werden die Palmstecken werden nach Hause getragen und das Jahr über gut aufgehoben, denn ihnen werden traditionell besondere Kräfte zugesprochen. Mehr über die besonderen Kräfte der Palmen findet ihr auf unserer Seite Osterbräuche. Nach der Kirche laufen die Kinder manchmal noch mit den Palmen durch das Dorf und erheischen Süßigkeiten. Palm,
Palm, Pösken Palmsonntagslied aus Westfalen
Gründonnerstag.
An diesem Tage feierten Jesus und seine engsten Vertrauten bei ihrem Abschiedsessen das erste Abendmahl. Dies ist der Ursprung des christlichen Hauptgottesdienstes (evangelisch: Abendmahlfeier; katholisch: Eucharistiefeier). Nach dem Abendmahl gingen Jesus und die Jünger zum Garten Gethsemane am Fuße des Ölbergs, wo sie übernachten wollten. Jesus, im Bewusstsein des nahen Todes, konnte nicht schlafen, fand dann aber im Gebet Kraft und Stärke, sich seinem Schicksal zu stellen. Trotz des Gartens (Assoziation: Grün) kommt der Name "Grün"donnerstag ursprünglich nicht von "grün" sondern von dem althochdeutschen Begriff "grunen" (greinen, weinen) zurück. Ob sich das Klagen dabei auf die Fastenzeit mit dem Leiden, auf die Nacht, die Jesus in Todesangst verbrachte oder auf die bevorstehende Kreuzigung Jesu bezieht ist nicht geklärt. Dennoch hat sich die Volksfantasie auf das allen ihren eigenen Reim gemacht, und leichtere Erklärungen gefunden. Das Grün symbolisiert das Erwachen der Natur um die Osterzeit. Grün wird als Farbe der Hoffnung verstanden, so, wie beim ersten Abendmahl auch schon die Hoffnung auf die Auferstehung deutlich wird. Möglich, dass auch die Farbe Grün der an diesem Tage üblichen Messgewänder das Grunen zum Grün gewandelt hat. Oder die grünen Zweige, mit denen sich die Büßer schmückten, die an diesem Tage nach dem Beginn der Fastenzeit, in der sie als Sünder aus der Kirche verbannt waren, zurückkehren durften. Vielleicht dachte man auch an das Grün des Gartens von Gethsemane, wer weiß. Jedenfalls ist es in vielen Familien auch heute noch üblich, am Gründonnerstag "grün" zu essen. Es ist überliefert, dass Goethe an diesem Tage ein Spinatgericht essen wollte. Die traditionelle "Grüne Soße" aus Frankfurt kann man heute sogar schon als Fertigpackung kaufen. Mehr zum "grünen" Donnerstag und grünen Speisen gibt es hier: http://www.garten-literatur.de/Kalender/gruendon.htm
Karfreitag
Ausschnitt
aus "Mein Gott, warum hast du mich verlassen" Karfreitag kommt nicht, wie man annehmen könnte, von "Kreuz", sondern "Kar" ist abgeleitet vom althochdeutschen "Kara" und bedeutet Kummer, Klage. An Jesus Todestag wurde bei den Katholiken früher besonders streng gefastet, und bei den Protestanten war es der höchste Feiertag des Kirchenjahres, der mit einem feierlichen Abendmahl begangen wurde. Es war ein stiller Feiertag, Lärm, Musik und Tanz war verboten. Die Rabenfrau erinnert sich daran, dass in ihrer Jugend im Radio an diesem Tag nur "ernste" Musik gespielt wurde. Auch heute noch ist Tanzen an diesem Tage vielerorts nicht erlaubt, nicht einmal in der Diskothek. In aller Stille wurden Christi Leiden mitgelitten, es gab viele regional unterschiedliche Bräuche. Zum Beispiel durfte man den ganzen Tag nichts trinken, weil Jesus am Kreuz Durst litt. Man durfte nicht mit Hammer und Nägeln arbeiten, da es die Marterwerkzeuge der Kreuzigung sind. Es war nicht erlaubt, zu reisen, sich zu kämmen, sich zu waschen, man durfte kein frisches Hemd anziehen. In einigen Gegenden wurde sauberes Geschirr mit Tüchern abgedeckt, damit es an diesem Trauertag nicht hell glänzte. Sexuelle Aktivität war an diesem Tage natürlich äußerst frevelhaft. Vielerorts läuten auch heute noch keine Glocken am Karfreitag. In einigen Orten gibt es an diesem Tage Karfreitagsprozessionen, bei denen das Kreuz und manchmal auch die Marterinstrumente der Kreuzigung mitgeführt werden. Diese Prozessionen bieten manchmal einen recht unheimlichen Anblick. Seltsamerweise wird dabei oft ein fürchterlicher Lärm mit Ratschen und Rasseln veranstaltet. Nichts mit "stillem" Gedenken! In England und in den Niederlanden heißt der Karfreitag "Guter Freitag". In London stehen an diesem Tage alle Kirchen offen.
Karsamstag
Ausschnitt
aus der Kreuzabnahme von Raphael, Am Karsamstag wurde Jesus offiziell für tot erklärt, man hatte ihn zu Grabe getragen, und damit auch die Hoffnung auf einen Retter. Die Jünger versteckten sich, aus Angst, selbst hingerichtet zu werden. Wachen wurden vor dem Grab postiert, aber trotzem vollzog sich in dieser Nacht die Auferstehung, denn am Ostersonntag fanden die Frauen das Grab leer vor. Es ist der Tag der Grabruhe in der Kirche, und auch der letzte Tag der 40tägigen Fastenzeit. Es finden keine Messen statt, nur sogenannte Trauermetten (Morgengebete aus dem Stundengebet). Auf den Altären stehen keine Blumen und keine Kerzen. Oft wird das Licht gelöscht. Trotzdem wirft der Ostersonntag, der Tag der Auferstehung und des Neuanfangs, schon seine Schatten voraus. Der Karsamstag steht dafür, dass der hoffnungslosen Lage bessere Tage folgen, dass das Leben weitergeht. Auch für die Bevölkerung ist der Karsamstag ein neuer Anfang. Oft wird das ganze Haus geputzt und auf Vordermann gebracht, alle packen mit an. Die letzten Vorbereitungen für das Osterfest werden getroffen: Eier gefärbt, Osterzopf, Osterlamm oder Ostertorten gebacken, Osterschmuck und Osternester gebastelt. Bereits in der Nacht zum Ostersonntag oder am frühen Morgen wird vielfach dann schon die Auferstehung gefeiert. Vielfach werden Osterfeuer entzündet. Manchmal wird erst während der Feier das Licht in der Kirche wieder entzündet. Die Osternacht ist sozusagen die höchste Feier in der Liturgie. Jesus ist auferstanden, und die Glocken läuten wieder. Übrigens: Auch die evangelischen Christen verehren das Kreuz. Allerdings ist es das "leere" Kreuz, Jesus hängt nicht mehr daran, denn er ist auferstanden. Und dafür ist das leeren Kreuz das Symbol.
Ostersonntag
Die Auferstehung selbst wird in der Bibel nicht beschrieben. Maria und Magdalena fanden am Ostersonntag Christi Grab leer vor. Zwei Engel erschienen ihnen, die sagten: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden." Auferstehung - das heißt die Überwindung des Todes. Und das wird am Ostersonntag in der Kirche gefeiert. Die Glocken läuten wieder zum Zeichen des Neuanfanges. Oft schon in der Nacht oder am frühen Morgen beginnen immer noch die Gottesdienste. In der Barockzeit gab es in den Kirchen sogenannte "heilige Gräber", die mit mechanischen Vorrichtungen ausgestattet waren. So konnte man die Auferstehung den staunenden Gläubigen bildhaft vor Augen führen. In vielen Kirchen wird am Ostersonntag eine Speisenweihe durchgeführt. Dabei werden in Körben (daher der Osterkorb!) mitgebrachte Speisen gesegnet, die dann für das Osteressen verwendet werden. Daheim wird nach dem Gottesdienst weiter gefeiert, mit Osterhasen und Ostereiern. Die Geschichte dieser Symbole findet ihr auf unserer Seite Osterhase.
Ostermontag Am Ostermontaq versammelten sich die Jünger. Sie waren ein bisschen ratlos und wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Zwei von ihnen machten sich auf den Weg nach Emmaus. Unterwegs schloss sich ihnen noch ein anderer Mann an. Erst, als er ihnen im Gasthaus das Brot brach, erkannten sie Jesus. Freudig kehrten sie zurück nach Jerusalem und erzählten den anderen von ihrem Erlebnis. Bis zum Himmelfahrtstag hatten die Jünger noch öfters solche Begegnungen, die ihnen neuen Mut gaben, hinauszuziehen und ihren Glauben zu verbreiten. Der Ostermontag ist der letzte Osterfeiertag. In Deutschland ist er ein gesetzlicher Feiertag. Sehr christliche Familien gehen auch an diesem Tage in die Kirche. Daneben gibt es in verschiedenen Gegenden auch noch alte Prozessions-Bräuche:
Darüber hinaus steht der Ostermontag, mehr als der Sonntag, im Zeichen der Familie. Seit der "Erfindung" des Osterhasen ist Ostern allerdings inzwischen mehr und mehr zu einem Familienfest geworden. Mehr darüber findet ihr auf unserer Seite Familienostern. Externe Links auf dieser Seite: Informationen
über Gründonnerstag und "grüne" Speisen:
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