DIE
GESCHICHTE
Wann
die ersten Kerzen gebrannt haben, lässt sich nicht mehr genau fest stellen,
denn schriftliche Überlieferungen darüber gibt es nicht, und auf den
alten Abbildern kann man oft nicht erkennen, um welche Beleuchtungskörper
es sich handelt.

Bronzelampe aus Afrika, 4. Jhdt. n. Chr.
Schon
die alten Römer kannten rund 200 Jahre nach Christi Geburt jedenfalls schon
niedrige Docht-Kerzen aus Bienenwachs. Im 3. Jahrhundert wurden Kerzen dann auch
von der christlichen Kirche verwendet. Da Bienenwachs nicht in großen Mengen
vorhanden war, blieben diese Kerzen das ganze Mittelalter hindurch den oberen
Klassen und der Kirche vorbehalten. Gewöhnliche Leute mussten sich zunächst
mit Öllämpchen und Kienspänen begnügen, bis im 12. Jahrhundert
dann Talglichter aufkamen. Diese wurden aus Rinder- oder Hammeltalg hergestellt,
rochen ziemlich ranzig und rußten furchtbar.
Gegen
Ende des 15. Jahrhunderts konnten sich dann auch wohlhabende Bürgerhäuser
Bienenwachskerzen leisten. Diese Kerzen waren allerdings nicht so pflegeleicht
wie die heutigen, sie mussten ständig geschneuzt werden, das heißt,
der Docht musste gekürzt werden, um Rußen und Tropfen zu verhindern.
Bei Hofe gab es extra einen Wachsschneuzer.
Im
17. Jahrhundert versuchte man, Talglichter mit Arsen eine vornehme, weiße
Färbung zu vereihen. Man kann sich vorstellen, dass dieses nicht sehr gesund
war! "Echte" weiße Kerzen kennt man seit der Entdeckung des Walrats
(wird aus dem Öl der Schädelknochen des Pottwals gewonnen) als Kerzenrohstoff.

Kerzenleuchter aus Frankreich, etwa 1650
Im
18. Jahrhundert gingen die reichen Leute besonders verschwenderisch mit Kerzen
um. Bei einem Fest am Hofe in Dresden sollen 14 000 Wachslichter verbraucht worden
sein!
Zwischen
1830 und 1840 gab es die ersten Paraffinkerzen. Paraffin besteht aus gesättigten
Kohlenwasserstoffen und wird heute vorwiegend aus Erdöl gewonnen.
1825
erhielten M. E. Chevreul und J. L. Gay-Lussac das Patent auf Stearinkerzen. Stearin
wird aus tierischen und pflanzlichen Ölen und Fetten hergestellt. Chemisch
gesehen handelt es sich um ein Gemisch verschiedener Fettsäuren, genauer
gesagt, Palmintin- und Stearinsäure. Reine Stearinkerzen haben durch den
höheren Schmelzpunkt des Stearinwachses vorzügliche Brenneigenschaften,
sind aber heute selten, weil teuer. Meistens werden Kerzen heute aus einer Mischung
von Paraffin und Stearin hergestellt.
Im
19. Jahrhundert wurden auch die Dochte entscheidend verbessert, so dass die Kerzen
heute wesentlich "pflegeleichter" sind als früher. Damals musste
man ständig den Docht kürzen , damit die Kerzen ordentlich abbrannten
und nicht rußten. Heute bestehen Kerzendochte aus geflochtenen Baumwollschnüren.
Durch das Flechten erreicht man, dass sich die Dochte krumm biegen, wenn sie verkohlen,
so dass das Ende im äußeren Teil der Flamme liegt. Das verbessert die
Brenneigenschaften erheblich. Schlechte Dochte biegen sich nicht genug, und dann
führen sie der Flamme zu viel Brennstoff zu, die Verbrennung ist nicht ausgewogen
und die Kerze rußt.
Reine
Baumwolle würde viel zu schnell verbrennen und ebenfalls stark räuchern.
Deswegen tränkt man die Dochte mit Ammoniumchlorid, Phosphat und Borsäure.
Die Zellulose in der Baumwolle verbindet sich beim Verbrennungsvorgang mit den
Chemikalien und verbrennt dann ohne Rückstände. Dochtstärke und
Dicke der Kerze müssen zueinander in einem bestimmten Verhältnis stehen.
Ist der Docht zu dick, rußt und qualmt die Kerze. Ist er zu dünn, wird
das Wachs nicht vollständig verbrannt, die Kerze tropft, oder es bleibt auch
ein Rand stehen ("Hohlbrenner").
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WIE
EINE KERZE BRENNT

Wenn
man eine Kerze anzündet, schmilzt die Flamme das Wachs. Durch die Kapilarkräfte
steigt das geschmolzene Wachs im Docht empor.
Gerade
über dem brennende Docht der Kerze befindet sich eine dunkle Zone.
Hier ist die Temperatur noch relativ niedrig, nämlich 600 ° C. Hier wird
das Wachs zu Wachsdampf verdampft. Der Wachsdampf besteht aus Kohlenstoffpartikeln.
Am
Übergang zur hellen Zone können wir meist noch die "blaue Zone"
erkennen. Hier kommt es zu einer Reaktion mit Sauerstoff (blaue Emission). In
der blauen Zone verbrennt der Wachsdampf zu Ruß.
In
der Leuchtzone finden wir Temperaturen zwischen 1000 und 1400 ° C,
wobei die Temperaturen im Zentrum nur 1200 ° erreichen und am Rande der Leuchtzone
am höchsten sind. Was hier so hell leuchtet, ist der Ruß (gelbe Emission),
der durch die Hitze zum Leuchten gebracht wird.
Kerzen
brennen selten ganz gleichmäßig, durch die leiseste Zugluft fangen
sie an zu flackern. Deswegen verbrennt der Ruß meistens nicht vollständig.
Doch bei "guten" Kerzen hält sich der Schadstoffausstoß in
Grenzen.
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TIPPS: