Merkwürdige Gestalten

Zu Weihnachten sind merkwürdige Gestalten unterwegs. Berchta, Perchta, Lucia, Befana, Budelfrau, Perchten, Düvel, Krampus, Pelzmärte, Hans Trapp..

 

 
„ain abgedisch Gotlos, verruechts wesen"
aus einem Verbot des ungebärdigen Treibens
vom Berchtesgadener Hofrat vom 7.Januar 1601

In der Weihnachtszeit ist nicht nur der Weihnachtsmann unterwegs, sondern es treiben sich auch noch andere Gestalten herum. Einige davon sind ziemlich unheimlich und scheinen allesamt der allemannischen Fasnet entsprungen zu sein!

INHALT:

  • Wilde Weiber
    Berchta
    Lucia
    Befana
    Märtesberta
    das Mehlweiberl
    Budelfrau und andere
  • Wilde Kerle
    Rauer Percht, Düvel und andere finstere Gesellen
    andere Namen für den Nikolaus
    Pelzmärte
    Hans Trapp
    Knecht Ruprecht
    Krampus- und Perchtenlauf
    Werre und wilde Niklo
    Julbock
    Guruz
  • Alte Bräuche oder neue Folklore?

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WILDE WEIBER

Berchta oder Perchta: Viele Historiker sind der Ansicht, damit sei ursprünglich eine germanische Göttin gemeint, die für Fruchtbarkeit und Wetter zuständig war. Man kennt sie auch als Hulda, Holda, Frau Holle, Frau Gode, Frigg oder auch Freya, und sie führt mit ihrem Gatten Wotan die Wilde Jagd an, ein Geisterheer, dass nächtlings mit Jagdrufen und Hundegebell durch die Lüfte brausen soll. Neben dieser finsteren, bedrohlichen Seite hat sie auch eine lichte, denn sie ist die Beschützerin der Mütter und der Kinder.

Diese guten und bösen Anteile zeigen sich auch in den unterschiedlichen Gestalten, die sie in den heutigen Weihnachtsbräuchen hat.

Lucia: hat vermutlich um 280 herum in Syrakus (heute Syracuse, Italien) gelebt. Sie soll als Märtyrerin gestorben sein, nachdem ein abgewiesener Freier sie verraten hat.

Besonders in Schweden ist der Luciatag ein besonderer Feiertag. Die älteste Tochter des Hauses, weiß gewandet und mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf (heute meistens elektrisch), bringt als Luciabraut den Eltern und Geschwistern das Frühstück ans Bett. In den Städten und Dörfern wird unter den schönsten Mädchen die Lucienbraut gewählt, und ihr Licht zeigt, dass der Advent begonnen hat.

Befana: eine freundliche Hexe aus Italien. Sie fliegt auf ihrem Besen in der Nacht von 5. zum 6. Januar von Haus zu Haus und beschenkt die Kinder. Angeblich tut sie dieses, weil sie mit ihren Gaben zu spät zur Krippe gekommen ist und nun hofft, eines der beschenkten Kinder sei das Jesuskind. Ihr Name ist vermutlich vom Epiphania-Fest (Fest der Erscheinung des Herrn) abgeleitet, das in manchen Ländern am 6. Januar gefeiert wird.

Früher durften Frauen an "Maria Empfängnis" nicht arbeiten. Wenn es Frauen doch taten, erschien die Weiße Frau und schreckte sie davon ab.

Die Märtesberta bedroht Kinder die nicht essen wollen, vor allem in Oberfranken. Den Bauch würde sie ihnen aufschlitzen und mit Heu füllen, so hieß es.

Etwas weniger brutal ist das Mehlweiberl, das in der Gegend um Kötzting sein Unwesen treibt und Kindern bei hereinbrechender Dunkelheit auflauert um sie mit Mehl zu bestäuben.

Budelfrau, Budelmutter, Busebrecht, Berchtel, Hullefrau, Hullapöpel, Schiache Perchta, Stutenfrau, Lutzelfrau, Lussibrud, Lucienbraut, Butzenlutz, Lucka oder auch Lutscherl: Oftmals vermischen sich in diesen wilden Weibern die Aspekte von Lucia und Berchta zu mehr oder weniger schönen oder furchterregenden Gestalten, die schlampige Mägde und ungezogene Kinder bedrohen, aber auch geordnete Verhältnisse mit kleinen Gaben belohnen können. Manchmal begleiten sie den Nikolaus, oder sie ziehen auch eigenständig durch die Straßen.

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WILDE KERLE

Auch diese sind oft Begleiter des Nikolaus und übernehmen, quasi als gezähmter Teufel (so sehen sie meist auch aus: in Felle oder Stroh gekleidet, oft mit furchteinflößenden Masken), die Bestrafungsaktionen. Dazu gehören Rauher Percht (aus dem sich Knecht Ruprecht entwickelt hat), Düvel, Bock, Krampus, Klabauf, Rauteufel oder auch Beelzebub.

Andererseits hat auch der Nikolaus selber, je nach Landstrich, verschiedene Namen, man kennt ihn als Sünnerklas, Zinterklas, Nickel, Klos, Pelznickel, Klasbur, Aschenklas, Rugklas, Schimmelreiter. Was war wohl zuerst - Gestalt oder Name?

Pelzmärte: zog in Schwaben in den sogenannten Fahr- oder Klöpflnächten herum, erschreckte Kinder und beschenkte sie mit Äpfeln und Nüssen.

Hans Trapp: soll als "Hans von Dratt" wirklich im 16. Jahrhundert einmal gelebt haben und als Hofmarschall seine Bauern drangsaliert haben. Nun ist er im Südwesten Deutschlands zum Kinderschreck geworden und ist auch im Elsass der dunkle Begleiter des Christkinds, in Fellkleidern mit einer Kette um den Bauch, mit schwarzem Gesicht und mit einer Rute ausgestattet. Er verrät dem Christkind, wer nicht brav gewesen ist, aber dieses verzeiht den Kindern doch immer, und die Bescherung kann beginnen.

Der heilige Petrus und Ruprecht: vermummte junge Burschen, in Fell und Stroh, mit Kette und Rute, die im Erzgebirge Äpfel und Nüsse zu den Kindern bringen.

Die meisten Nikolausbegleiter treten auch gehäuft in regelrechten Umzügen auf, die sehr an die Narrensprünge der allemanischen Fasnacht erinnern, so findet man Krampusgruppen, Perchten und ähnliche. Deren Masken sind heutzutage nicht mehr selbst gemacht, sondern werden von Maskenschnitzern kunstvoll geschnitzt und bemalt. In Norddeutschland sind in der Nikolausnacht auch ganze Nikolausgruppen (in Schlesien nennt man sie Nachtnikoläuse) unterwegs, verkleidete Kinder, die in den Geschäften um Süßigkeiten betteln:

Ick bünn 'n lütten Könich,
giff mi nich to wenich,
lot mi nich so lange stohn,
denn ick mutt noch wiedergohn!

Werre nennt man eine furchterregend vermummte Begleitfigur in der Vorweihnachtszeit, die vorwigend vor allem im süddeutschen, österreichischen und schweitzer Raum auftrat.

Im Bayrischen Wald waren früher am Abend des 6. Dezember die Wilden Niklo unterwegs, wilde Gesellen, gekleidet in rote oder schwarze Mäntel mit Pelzkrägen, mit Masken oder einem schwarzen Strumpf über dem Gesicht, die in der Dunkelheit mit viel Lärm durch die Straßen zogen und Kinder erschreckten.

Den Julbock kennt man in einigen Dörfern in Schleswig Holstein: Zusammen mit einigen eben so verwegenen Begleitern zieht er mit Hörnern und in Fell gekleidet, durch das Dorf und fordert Geschenke ein.

Der Guruz kommt aus dem Bayerischen Wald: Er hockte gerne in der Küche in der warmen Ecke am Ofen und verdarb Lebensmittel.

 

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ALTE BRÄUCHE ODER NEUE FOLKLORE?

Seit Mitte der 70er Jahre haben alle diese Bräuche einen enormen Aufschwung erfahren. Einige dieser gruseligen Gestalten lassen sich wohl zurück führen auf die alten heidnischen Götter, doch ob das damit zusammenhängende Brauchtum auch tatsächlich schon so alt ist, darüber streiten sich die Fachleute. Sicher ist, dass die meisten von ihnen schon im Mittelalter verbreitet waren und dass sämtliche Verbote nichts nützten!

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Grafiken:

Grafiken: Die Rabenfrau

Fonts: Dirty Headline, Petra Script

 

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