 | Die
Leprechouns sind bekannt als fröhliche, fleißige aber auch ein bisschen
gaunerische kleine Geister. Sie sind in der Feenwelt die Schuhmacher, Schneider
und Flickschuster. Man sieht sie oftmals bei Sonnenuntergang unter Hecken, singend
in ihre Arbeit vertieft. Sie wissen viel über versteckte Schätze, und
wenn es einem Sterblichen gelingt, ihre Sympathie zu erringen, führen sie
ihn manchmal zu einem Ort, wo ein Topf Gold vergraben wurde. Man
erzählt, dass eine Familie, die in der Nähe von Casterea lebt, mit der
Hilfe eines freundlichen Leprechouns zu ihrem Reichtugm gekommen ist. Und das
ging so: Unter
ihren Ahnen war einmal ein ziemlich armer Junge, der sein Geld damit verdiente,
mit einem Torfkarren herumzufahren und Brennmaterial zu verkaufen. Der Knabe war
anders als seine Nachbarn, sehr ruhig und nachdenklich, und manche vermuteten,
er sei ein Wechselbalg der Feen, denn er war unsportlich und sprach wirklich mit
fast niemandem ein Wort. Auf seinen Reisen sammelte er alles ein, was Buchstaben
drauf hatte. Glücklich war er schon, wenn einmal ein zerfleddertes Buch dabei
war. Die Nächte verbrachte er meistens damit, seine Schätze durchzulesen,
und er träumte davon, einmal reich zu sein. Dann würde er seinen Torfkarren
aufgeben, und in Ruhe und Frieden leben, nur von Büchern umgeben, in einem
wundervollen Haus mit Garten, ganz für ihn allein.
Nun hatte er er auch einmal etwas
über Leprechounes gelesen und wusste, dass sie Kenntnis hatten von unermesslichen
versteckten Schätzen. Seitdem hielt er immer Ausschau nach einem der kleinen
Flickschuster, und spitzte die Ohren, ob er das Klicken eines kleinen Hammers
hören könnte, um einen solchen bei der Arbeit zu überraschen.
Und
wirklich, eines abends, gerade alsdie Sonne unter ging, sah er einen kleinen Mann
unter einemSauerampfer sitzen, ganz in seine Arbeit vertieft. Das Männchen
war ganz in grün gekleidet, und auf dem Kopf trug er einen spitzen Hut. Schnell
hüpfte der Junge von seinem Karren und packte den Leprehaun am Schlafittchen.
"So! Du
kommst mir nicht mehr weg, bevor du mir gezeigt hast, wo ich das versteckte Gold
finden kann!" schrie er. Der
kleine Kerl entgegnete: "Das ist einfach! Tu mir nichts, dann werde ich dir
alles darüber erzählen. Aber denk dran, ich könnte dich auch verletzen,
die Kraft habe ich wohl! Aber Ich werde das nicht tun, denn wir sind schließlich
entfernt mit einander verwandt. So werde ich dir also das Gold zeigen. Niemand
kann es finden oder behalten, der kein Feenblut in sich hat. Komm nun mit, wir
müssen zu der alten Festung von Lipenshaw, dort ist es versteckt. Aber beeile
dich, denn wenn der letzte Sonnenstrahl verloschen ist, verschwindet auch das
Gold, und du wirst es niemals wieder finden!" Der
Junge meinte: "So
lass uns denn losziehen!" und trug den Leprechoun vorsichtig in den Torfkarren
und fuhr los. Eine Sekunde später waren sie schon beim alten Fort und das
Männchen führte den Jungen durch eine geheime Tür, die in eine
der Wände eingelassen war. Der
Leprechoun sprach: "Also, sieh dich um!" und der Junge sah, dass der
ganze Boden mit Goldstücken bedeckt war. Silberne Schüsseln lagen in
solchen Mengen herum, dass alle Reichtümer der Welt hier in diesem Raum aufgestapelt
zu sein schienen. "Du kannst dir nehmen, was du willst!" sagte der Leprehaun,
"aber beeile dich, denn, wenn sich die Tür einmal schließt, wirst
du diesen Ort nicht mehr verlassen können und für immer hier gefangen
sein!" In
Windeseile sammelte der Junge soviel Gold und Silber auf, wie er nur tragen konnte.
Er rannte hinaus und füllte seine Beute in den Karren. Als er zurück
wollte, um noch mehr zu holen, fiel die Tür plötzlich mit einem gewaltigen
Krachen ins Schloss, und der ganze Ort wurde dunkel und schwarz wie die Nacht.
Der Leprehaun war verschwunden, und der Junge konnte ihm nicht einmal mehr danken. So
fuhr er also erstmal mit seinen Schätzen nach Haus. Dort zählte er die
vielen blanken Gold- und Silberstücke gezählt hatte, stellte er fest,
dass er genug hatte für das Lösegeld eines Königs, und auf jeden
Fall genug, um sich ein feines Leben zu machen. Jedoch beschloss er, niemandem
etwas von seinem Glück zu erzählen. Nach
und nach ließ er sich ein schönes Haus bauen, mit genau so einem wundervollen
Garten, wie er es sich immer erträumt hatte, und er hatte schließlich
Diener, und Pferd und Wagen, und genug Bücher, um sein wissbegieriges Herz
zu erfreuen. Er lernte, sich wie ein Gentleman zu betragen, und wurde bald ein
einflussreicher Mann im Lande. Noch
heute leben seine Nachkommen dort, immer noch reich und mächtig. Und niemals
werden sie ihren Reichtum verlieren, solange sie sich ihr freundliches Herz bewahren,
für die Armen spenden und ihre Untergebenen gut behandeln. 
Original
Art: Pieter Brueghel Faerietales/Inhalt Rabenseiten/Inhalt Gästebuch
|
Rabenseiten| Impressum |
Faerieland | Blumiges |
Lesestoff | Im Jahreskreis | Sternstunden|Just
for the girls| Ein Moment in der Zeit |