Rabenurlaub
in England
Hier findest du einen
Reisebericht über unseren Urlaub 2007 in Engla
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Inhalt:
| Sonntag, 10.06.07 MAMER/LUXEMBURG Der Tag war sonnig und warm (!). Gut geeignet für die lange Fahrt von Ulm nach Luxemburg. Unterwegs zog sich am Nachmittag der Himmel zu, und als wir am Campingplatz Mamer ankamen, war gerade ein ordentlicher Gewitterschauer nieder gegangen. Die Camper kamen gerade wieder aus ihren "Löchern", alle in Gummistiefeln. Das war auch nötig, denn durch den heftigen Regen war der Platz so matschig geworden, dass der Platzwart uns anbot, den Wohnwagen lieber auf dem gekiesten Parkplatz abzustellen. Es schien schon wieder die Sonne, als wir den Wohnwagen abgestellt hatten und zum kleinen Restaurant gingen, das dem Campingplatz angeschlossen ist. Wir gönnten uns ein Gläschen Bofferding zum Schnitzel mit Pommes. Montag, 11.06.07 CALAIS/FRANKREICH Beim Frühstück schien die Sonne. Problemlos kamen wir bis Calais. Unterwegs sanken die Temperaturen immer mehr ab, und der Himmel wurde immer gräulicher. Unser Campingplatz lag genau am Fährhafen. Nach dem Abendbrot gingen wir noch raus, "Meer gucken".
Irgendwie haben wir den Eindruck, die Stadt habe schon mal bessere Tage gesehen. Die meisten Restaurants sind geschlossen, viele Häuser wirken ziemlich heruntergekommen. Es gibt Unmengen leerer Parkplätze. Ob Calais wohl im Juli/August aus dem Winterschlaf erwacht? Dienstag, 12.06.07 DOVER Auch der Bäcker, von dem wir uns zum Frühstück ein Baguette erhofft hatten, war anscheinend noch im Winterschlaf. Gut, dass wir noch Brot dabei hatten. Als wir nach dem Frühstück den Campingplatz verlassen wollten, glänzte der Platzwart durch Abwesenheit, und wir mussten erst jemanden suchen, der uns die Schranke öffnete. Im Fährhafen fanden diesmal strengere Kontrollen statt, anscheinend hatte England Angst, dass Leute eingeschmuggelt würden. Die Kontrolleure, zwei nette junge Damen, schauten sogar in unsere Bettkästen. Was hätten sie wohl gemacht, wenn tatsächlich jemand drin gelegen hätte? Die Überfahrt war diesmal eine ziemlich nebelige Angelegenheit, das Nebelhorn ertönte immer wieder. Kurz vor Dover wurde es dann heller, und die berühmten weißen Kreidefelsen leuchteten schon fast in der Sonne, als wir ankamen.
Wir fuhren Richtung Maidstone zum Leeds Castle, wo unsere Straßenkarte einen Campingplatz in unmittelbarer Nähe auswies. Auf der Suche nach ihm gerieten wir ziemlich auf Abwege, die Straßen, von Hecken gesäumt, wurden immer enger. Schließlich waren es nur noch die berüchtigten "Single road ways"! Und das mit dem dicken Wohnwagen hinten dran! Mehr als einmal mussten entgegenkommende Fahrzeuge einige Meter zurück setzen, damit wir an einander vorbei kamen. Schließlich kamen wir dann irgendwann an die Einfahrt zum Castle, und der Einweiser vom Parkplatz wies uns den Weg zum Pine Lodge Touring Park, wo wir noch rechtzeitig zum Kaffeetrinken eintrudelten. Mittwoch, 13.06.07 CANTERBURY Für heute hatten wir uns einen Ausflug nach Canterbury vorgenommen, die Wiege des englischen Christentums und immer noch ihr spiritueller Mittelpunkt. Obwohl es im 2. Weltkrieg große Zerstörungen gab, hat die Stadt immer noch ein mittelalterliches Ambiente. Die Stadtmauer aus der Zeit der normannischen Eroberungen ist in weiten Teilen noch erhalten und begehbar. Wir fanden gleich am Westgate einen Parkplatz, und dann konnten wir, wie Chaucers mittelalterliche Pilger, durch das imposante, (heutzutage vom Verkehr umtoste) Westgate die Stadt betreten. Auf der High Street schlenderten wir an der Guildhall und an den "Weavers Houses" vorbei, die einst für flämische und französische Hugenotten errichtet wurden, die damals wegen ihrer Webkünste sehr begehrt waren. In den weit über die Straße ragenden Erkern sollen immer noch die Webstühle stehen. Überall stießen wir auf Hospize und Stiftsgebäude, wo früher die Pilger Unterkunft fanden, die neben der Tuchherstellung die Haupteinnahmequelle der Stadt darstellten. Am Buttermarket betreten wir durch das Christ Church Gate die Domfreiheit. Der Anblick der Kathedrale ist grandios, wir spazierten lange durch das geschützte Refugium mit den vielen Gärten, dem Kreuzgang, und den vielen Nebengebäuden. Eine kleine Welt für sich! Hier stand früher ein mächtiger normannischer Dom, der nach und nach der Canterbury Cathedral, wie wir sie heute sehen, weichen musste. Anfang des 12. Jhdts. wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Erhalten blieb aus dieser Zeit die schöne, normannische Krypta. Man kann von außen gut die verschiedenen Baustile erkennen, in denen die Kathedrale über 500 Jahre nach und nach ihre heutige Gestalt annahm.
1170 wurde in der Kirche der Erzbischof Thomas Becket von Anhängern König Heinrichs II. ermordet, er wurde zum Märtyrer und 1174 heilig gesprochen. Der Papst verhängte den Kirchenbann gegen Heinrich II. und damit gegen das ganze Land. Der König musste Buße tun und empfing vor dem Hochaltar die öffentlichen Geißelschläge. Beckets prächtiger Schrein wurde eins der wichtigsten Pilgerziele Europas, bis er 1538 auf Befehl Heinrichs VIII., für den Becket den Widerstand gegen den Absolutzheitsanspruch der Monarchie verkörperte, zerstört wurde, die Juwelen wurden fortgeschafft und die Gebeine in alle Winde verstreut. Heinrich VIII. ernannte sich selbst als "Defender of the faith" zum Oberhaupt der Staatskirche, und der Erzbischof von Canterbury ist seitdem der Primas der angelikanischen Kirche und hat das Recht und die Pflicht, die Monarchen zu krönen und sie in ihrem Herrschaftsanspruch zu legitimieren.
Auf der Südseite der Trinity Chapel stießen wir auf das Grabmal Edwards von Woodstock, des "Schwarzen Prinzen" (1330-1376), eines der letzten Ritter der europäischen Geschichte. 30 Jahre lang war er für seinen Vater Eduard III. im 100jährigen Krieg gegen Frankreich zu Felde gezogen. Nach der Besichtigung der kathedrale gönnten wir uns noch einen Cappucino in einer der wuselig belebten Gassen,und bummelten dann noch ein wenig durch die vielen Läden (es gibt einen hervorragenden Laden für Küchenkram am Buttermarket!). Auf der Rückfahrt entdeckten wir irgendwo noch einen Supermarkt und stockten unsere Vorräte auf. Donnerstag , 14.06.07 LEEDS CASTLE Leeds Castle war heute angesagt. Das Wetter passte: Obwohl es in der Nacht heftig geregnet hatte, schien heute morgen wieder die Sonne. Das Schloss, das einmal Heinrich VIII. gehört hat, lag ja fast um die Ecke. Angeblich ist es die großartigste Burg Nordenglands. Es steht auf zwei Inseln und ist vom natürlichen Wassergraben des Flusses Len umgeben, auf dem schwarze Schwäne und enten herum schwimmen. Schon im Mittelalter kam die Burg in königliche Hände. Lange Zeit war es der Witwensitz englischer Königinnen: Eleanore von Kastilien; Margaret von Frankreich; Isabella von Frankreich, Johanna von Navarra; Anne of Bohemia and Catherine de Valois haben hier gelebt. Das Einzige, was aus dem 13. Jhdt. noch erhalten ist, ist das Torhaus. Heinrich VIII ließ es zu einer luxoriösen Residenz ausbauen. Er hielt sich oft mit seiner Gemahlin Katharina von Aragon hier auf, bzw. ließ sie hier allein, um zu seiner neuen Liebe Anne Boleyn auf Hever Castle zu eilen. Im Hauptgebäude kann man seine gewaltige Banketthalle besichtigen. Seine Tochter Elisabeth I., war hier einige Zeit vor ihrer Krönung gefangen. Im Bürgerkrieg entging das Schloss der Zerstörung, weil seine derzeituígen Besitzer mit den Parlamentariern paktierten. Die letzte private Besitzerin war die mondäne Olive, Lady Baillie, Tochter eines englischen Adeligen mit einer amerikanischen Erbin. Sie kaufte das Schloss 1926 und ließ es mit Hilfe bekannter Innenarchitekten renovieren. Ihre Räumlichkeiten wurden mit größtem Luxus ausgestattet, wie einem modernen, elektrisch beleuchteten Schminktisch und einem fantastischen, marmornen Badezimmer. Ihr Salon und einige ihrer Gästezimmer können als Konferenzräume mit Übernachtungsmöglichkeit gemietet werden.
Außerdem ließ Lady Baillie auch den Garten restaurieren. Es gibt einen 200 Ha großen Landschaftsgarten, der im 18. Jhdt. von dem bekannten Gartenarchitekten Capability Brown angelegt wurde. Es gibt (moderne) Volieren, Blumengärten, Wasserfälle und eines dieser unvermeidlichen Heckenlabyrinthe.
Donnerstag , 14.06.07 CHATHAM - HISTORIC DOCKYARDS In der Nacht regnete es wieder. Aber am Morgen machen wir uns trotzdem auf zu den "Historic Dockyards" in Chatham. Schon seit den Tagen von Queen Elizabeth I. Ende des 16. Jhdts. spielte die Werft, die damals noch an einer anderen Stelle lag, eine wichtige Rolle beim Bau und Unterhalt der englischen Flotte, die gegen die Armada eingesetzt wurde. 1613 wurde sie an den heutigen Standort am Medway-Fluss verlegt und entwickelte sich schließlich zur wichtigsten Flottenbasis des Landes. Weil sich Englands Interessen im 18. Jhdt. zunehmend in den Mittelmeerraum und die Neue Welt verlagerten und zudem der Fluss immer mehr versandete, veränderte sich auch die Rolle, die die Chathamer Werft spielte, zunehmend von der Flottenbasis mehr zur Schiffsbau- und Reparaturwerkstatt. So wurde zum Beispiel die HMS Victory, die spater Nelsons Flaggschiff bei Trafalgar werden sollte, hier ge- und umgebaut. Im Wooden-Walls-Museum wird gezeigt, wie ein holzverschaltes Segelschiff aus dieser Zeit gebaut wurde. Etwa 26 verschiedene Gewerbe waren dazu notwendig, von den Bauschreinern auf dem Formboden (ein riesiger Dachboden, auf dessen Bodendielen man mit Kreide die Formen der Wanten 1:1 aufzeichnen konnte), über die Säger in ihren Sägegruben und die Schiffbauer und Kalfaterer in den Trockendocks bis zu den Ankerschmieden und sogar einem Rattenfänger. Man benötigte für den Bau eines Segler das Holz von 3800 Bäumen! Im 19. Jhdt. hielt die Motorisierung und Idustrialisierung in Chatham Einzug. Bekannte Ingenieure und Erfinder wie Marc Brunel waren auf der Werft tätig. Aus dieser Zeit stammt das Seilerhaus, das eine der längsten noch funktionierenden Reperbahnen Europas besitzt (346 m). Ich fand die Führung sehr interessant, denn in meinem Heimatort Vegesack gab es früher auch eineTauwerkfabrik, in der ich einmal im Büro gejobt habe. Leider durfte ich derzeit die Seilerei nie besichtigen, aber ich habe immer noch diese Geräusche im Ohr, die von dem ewig langen Seilereigebäude ausgingen: denglenglenglenglengleng.... Der Rabenmann hat bei der Führung ein Seil mitgedreht und durfte ein Stück mit heim nehmen. 1832 wurde in Chatham das erste Dampfschiff gebaut, 1908 begann man mit der Konstruktion von U-Booten. Auch beim Bau von Flugzeugträgern spielte Chatham eine Rolle. Nebenher wurden hier auch Schiffe modernisiert und repariert, besonders während der beiden Weltkriege. 1966 lief das letzte hier gebaute Kreigsschiff vom Stapel. 1984 wurde die Werft geschlossen. Man konnte auch noch diverse Marineschiffe besichtigen. Wir waren auf der HMS Gannet, einem Segeldampfschiff von 1878, das zwischendurch einmal, ganz und gar abgetakelt, eine Schule für schwer erziehbare Jungs war. Außerdem besichtigten wir die HMS Cavalier von 1944, einem Zerstörer aus dem zweiten Weltkrieg, die 1957 noch einmal modernisiert wurde und dann bis in die 70er Jahre noch im Pazifik Dienst tat. Die Brücke ist übrigens offen, so pfiffen den Offizieren ab und zu ziemich eisige Winde um die Ohren (das Schiff war im 2. Weltkrieg zeitweilig in der Arktis stationiert!). Besonders interessant war die "guided tour" durch die engen Gänge von HMS Ozelot von 1962, einem U-Boot, das letzte Kriegsschiff das hier in Chatham für die Royal Navy gebaut worden ist. Es war bis 1991 im Dienst und hat angeblich im Falklandkrieg eine sehr wichtige aber streng geheime Mission erfüllt. Hinterher besichtigten wir noch eine interessante Ausstellung über Rettungsboote. Die Royal National Lifeboat Institution ist der älteste, nationale Rettungsboot-Dienst der Welt. Er wurde bereits 1826 gegründet und hat mit seinen, meist mit Freiwilligen bemannten Booten seitdem unzählige Menschenleben retten können. Die Ausstellung zeigt Ruder- und Segel-Rettungsboote aus dem 19. Jhdt., Hochgeschwindigkeits-Rettungsboote für Küstengewässer aus den 60er Jahren und die Edward Bridges aus Torbay, ein 16.5 m Rettungsboot für jedes Wetter der Arunklasse von 1975.
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