Rabenurlaub
in England
Hier findest du einen
Reisebericht über unseren Urlaub 2007 in Engla
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Inhalt:
| ASHFORT - OUTLET Samstag , 15.06.07 An diesem Tag zeigte sich das Wetter zunächst ziemlich schauerlich! Wir beschlossen deshalb, dem nahegelegenen Designer Outlet McArthur Glen in Ashford einen Besuch abzustatten. Rund um einen großen Parkplatz findet man dort Läden vieler bekannter Designer, und alle haben wirklich recht günstige Preise. Wir klappterten alle ab, wurden aber nur in den Küchenläden fündig. Hinterher ärgerte ich mich dann, dass ich mir keine neuen Sportschuhe gegönnt hatte. Sonntag, 16.06.07 HEVER CASTLE Wieder war das Wetter ziemlich durchwachsen. Nach der Shoppingtour gestern war nun wieder Kultur angesagt. Wir fbesichtigten Hever Castle westlich von Tonbridge. Nach einem ziemlichen Umweg, weil wir wegen einer Baustelle die richtige Abfahrt verpasst hatten, kamen wir am späten Vormittag dort an. Der Parkplatz auf dem Rasen war schon recht voll, und der Garten wimmelte von Menschen. Auf der Wiese hatten viele Leute ihre Picknickdecken ausgebreitet, und überall sprangen Kinder herum. Hever Castle war im 14. Jhdt. ursprünglich ein Farmhaus, das im 15. Jhdt. durch Geoffrey Boleyn, dem Urahn von Anna Boleyn, der damals Bürgermeister von London war, zu einem Herrensitz ausgebaut wurde. Im 15. Jhdt. zog dann die Familie Boleyn ein, und Anne Boleyn verbrachte dortselbst einen Teil ihrer Kindheit, bevor sie von Heinrich VIII. bezirzt wurde. Erumgarnte sie lange Zeit und machte sie schließlich zu seiner zweiten Frau, nachdem seine 1. Ehe mit Katharina von Aragon für ungültig erklärt worden war. Anne war anscheinend, obwohl sie eigentlich nicht dem derzeitig gültigen Schönheitsideal entsprach, eine der angesagtesten Schönheitsköniginnen des 16. Jhdts. Nach ihrer Heirat wurde sie zu einer der ambitioniertesten und wichtigsten Königinen Europas. Sie beeinflusste Heinrich VIII. stark bei seinen politischen Entscheidungen. Schon die Trennung Heinrichs von Katharina von Aragon hatte seinen Bruch mit der römischen Kirche hervorgerufen. Sie war die Mutter von Heinrichs tTochte, der späteren Königin Elisabeth I., erlitt aber dann mehrere Fehlgeburten. Die fortgesetzte Untreue ihres Ehemannes machte ihr wohl schwer zu schaffen, und die Eheleute entfremdeten sich immer mehr. Schließlich bandelte Heinrich mit Jane Seymour an, und Anne wurde des Verrats, der Untreue und sogar des Inzests mit ihrem Bruder angeklagt , zum Tode verurteilt und hingerichtet. Als bald darauf auch Annes Eltern starben, fiel Hever Castle an die Krone. Ob Heinrich sie einfach loswerden wollte, weil er ihrer tatsächlich überdrüssig war (er hat seine Ehe mit ihr mal als unter einem Fluch stehend bezeichnet), oder ob er auf Intrigen von Höflingen herein fiel, die Anne ihren großen Einfluss neideten, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Tatsache ist, dass Heinrich nach ihrem Tode bald Jane Seymour zur Frau nahm. Annes Geschichte kann man hier nachlesen, und hier gibt es Portraits aller 6 Frauen Heinrich VIII. Die heutige Gestalt von Hever Castles ist der Familie Waldorf Astor und viel Geld zu verdanken, die es 1903 restaurierte und den wunderschönen Garten, einen See und das stilechte "Tudor Village" (innen mit allem modernen Komfort ausgestattet) hinzufügte, das als Gästehaus diente. Am besten gefiel uns der italienische Teil des Gartens, der wunderschön romantisch an einem See endet. Außerdem gibt es noch einen herrlichen Rosengarten. Im Hever Castle Garden gibt es sogar zwei Labyrinthe: das übliche aus Eibenhecken, und eins auf dem man über Platten durch einen Wassergarten läuft, wobei hin und wieder plötzlich aufspringende Wasserstrahlen die Kinder, die durch das Labyrinth laufen, freudig aufquietschen lassen. Glücklicherweise war es warm, und die Eltern der Kinder hatten wohl Ersatzkleidung dabei. Im Castleshop gab es nicht nur die üblichen Marmeladen, Gartengeräte, Duftsäckchen usw., sondern auch eine interessante Modell-Ausstellung über die historische Entwicklung der englischen Herrenhäuser. Montag, 17.06.07 SISSINGHURST CASTLE GARDEN Beim Frühstück hatten wir gräusligen Nieselregen. Trotzdem fuhren wir nach Sissinghurst, dem meistbesuchten Garten Englands. Im Mittelalter befand sich an dieser Stelle bereits ein Herrenhaus, von dem aber nur noch die Reste des Burggrabens erhalten sind. Mitte des 15. Jhdts. ging der Besitz in andere Händ über. Das vorhandene Haus ließ man zerfallen und es wurde ein imposantes Ziegelhaus gebaut, um es zu ersetzen. Heute existiert davon noch der lange Eingangsbereich, der früher Dienstbotenquartiere und Ställe beherbergt hatte. Im 16. Jhdt. wurde dann ein Elizabethanisches Herrenhaus errichtet, das angeblich eines der schönsten in der Umgebung gewesen sein soll und wohl einem Loire-Schloss ähnlich gewesen sein muss. Leider ist von diesem Herrenhaus nur noch der Aussichtsturm erhalten. Der Rest des Anwesens war eine Brennesselwüste, unterteilt von diversen, halbzerfallenen Mauern, als Vita Sackville-West und ihr Mann Harold Nicholson es kauften und begannen, ihren Traumgarten anzulegen. Sie haben die Mauern nicht abgetragen, sondern mit ihrer Hilfe praktisch einen 10-Zimmer-Garten angelegt, der durch die Mauern unterteilt wird. Immer wieder ergeben sich neue, überraschende Aus- und Durchblicke, so gibt es einen Rosengarten, einen Kräutergarten (angeblich das vollständigste Herbarium Englands. Vita konnte angeblich jedes Kraut am Geruch erkennen.), einen Cottage-Garten, einen Nussgarten usw. Besonders bekannt ist der formal angelegte "Weiße Garten".
Jedes einzelne der "Zimmer" ist wunderschön, ich habe enorm viel r fotografiert, und nun weiß ich gar nicht, welche Bilder ich weglassen soll...
Die Familie wohnte in den langen Gebäuden am Eingang, in dem elisabethanischen Turmbau richtete sich Vita ihr Arbeitszimmer ein. Heute kann man es besichtigen, es ist wunderbar altertümlich, vollgestopft und gemütlich! Außerdem ist die Bibliothek zugänglich, die sich im ehemaligen Stall befindet: ein länglicher, niedriger Raum mit Perserteppichen, bequemen Sitzgruppen, vielen Fotos, Erinnerungsstücken und Gemälden. Zum Abschluss gönnten wir uns mal wieder Cream-Tea in dem empfehlenswerten Restaurant, das in einer alten Scheune untergebracht ist. Dienstag, 19.06.07 Dieser Tag war wieder ein Reisetag, obwohl das Navi schlapp mnachte, gelang es uns, London ganz gut zu umschiffen, und wir langten am Nachmittag in Bath an. Nach einigem Hin und Her fanden wir den Campingplatz Newton Mill. Wir bekamen nur einen ziemlich doofen, winzigen Platz am Rand, weil der ganze Campingplatz voller Holländer war, die an einer Ralley teilnahmen. Zur Vorbereitung auf die Stadt der High Society des 18. Jhdts. las ich ein Buch mit entzückenden, furchtbar romantischen Kurzgeschichten von Georgette Heyer. Mittwoch, 20.06.07 BATH Der Campingplatz hatte zwar einen kleinen Laden, aber dort gab es leider kein Brot und erst recht keine Brötchen. So fuhr Peter mit dem Auto ins Dorf, um welche zu holen. Danach wollten wir uns die Stadt ansehen, die viele Leute für die schönste Stadt Englands halten, und der die UNESCO als einziger im Land den Status des Welterbes verliehen hat. Die Stadt Bath verdankt ihren Namen der Tatsache, dass hier heiße Quellen (46°C) entspringen, die einzigen des Inselreiches. Kein Wunder, dass der Platz schon bei den Kelten als heilig galt. Die Römer waren ebenfalls bald überzeugt von der heilenden Wirkung des heißen Wassers und bauten für die damalige Zeit riesige Bad-Anlagen und darum herum ihre Stadt Aquae Sulis, nach der keltischen Göttin, die hier verehrt wurde. Die Bäder wurden zwischen dem 1. und 4. Jhdt. n. C. genutzt, mehrere Bäder, Schwimmbecken und Saunen wurden mit einem raffinierten Heizungssystem erwärmt. Mittelpunkt war das große Becken, das in römischen Zeiten überdacht war. Mehrere Tempel, Grabsteine und Skulpturen vervollständigten das Panorama. Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, wie es zu römischen Zeiten aussah, der möge hier klicken. Heute liegt das römische Bad unter dem Straßenniveau. Die Badeanlagen sind extrem gut erhalten geblieben. Sogar noch funktionsfähig sind einige Wasserleitungen aus Blei und das mit Bleiplatten ausgekleidete Große Becken, das heute immer noch dicht ist. Der Boden auf dieser Etage ist der römische Originalboden, stellenweise ganz schön uneben und abgenutzt. Schließlich trugen die alten Römer genagelte Pantinen im Bad! Das und noch sehr viel mehr erfährt man bei der Audio-Führung durch das Roman-Bath-Museum. Nach dem Abzug der Römer geriet die Badekultur in Vergessenheit, das Bad verfiel und verrsank für's Erste im Schlamm, obwohl auch noch im Mittelalter einzelne Menschen an den heißen Quellen Heilung suchten. Einen Aufschwung erlebte die Badekultur dann im 17. Jhdt., Als Königin Anne von Dänemark, die Gemahlin James I., nach Bath kam, wo sie sich Heilung ihrer Wassersucht erhoffte. Im 18. Jhdt. entwickelte sich die Stadt zu einem mondänen Kurort. Nicht ganz unschuldig daran ist Richard Nash, auch Beau Nash genannt, der Prototyp eines Dandy, der 1704 als Glücksritter in Bath auftauchte und alsbald zum Zeremonienmeister ernannt wurde. Er weckte das Interesse der High Society an einem Kuraufenthalt an den Heilquellen, den er zu einem amüsanten gesellschaftlichen Ereignis gestaltete. The Pum-Room wurde im 18. Jhdt. direkt über den römischen Bädern errichtet. Dort traf man sich, um das Heilwasser zu trinken. Heute ist es ein elegantes Restaurant, aber der alte Brunnen ist noch in Betrieb, und wer will, kann sich (umsonst!) von einem schicken Kellner ein Gläschen Wasser im Stehen kredenzen lassen. Natürlich wollten wir, es schmeckte allerdings wirklich sehr gesund! Die elegante Welt musste natürlich auch irgendwo untergebracht werden, und so entwickelte sich auch eine elegante, einheitliche Architektur mit unzähligen Crescents (halbmondförmigen Plätzen), und die bald überall in England und in den Kolonien kopiert wurden. In Royal Crescent Nr. 1 gibt es ein kleines Museum, das einen lebendigen Eindruck georgianischer Wohnkultur bietet.
In solchen Bussen kann man durch und um die Stadt fahren, an Bord sind Stadtführer, die die Sehenswürdigkeiten kommentieren. Dabei kann man unterwegs aussteigen, etwas angucken und mit dem nächsten Bus weiter fahren. Wir waren mit so einem Bus schon vom Royal Crescent in die Stadt hinunter gefahren und machten nach dem Roman Bath Museum abends noch die "Skyline-Tour", die um die Stadt herum führt. Donnerstag, 21.06.07 Auch an diesem Tag hatten wir sehr unbeständiges Wetter, aber zwischendurch schien doch immer wieder die Sonne. Wir fuhren noch einmal in die Stadt, um noch einiges anzugucken und vielleicht ein bisschen zu shoppen. Die Abteikirche wurde im 15. Jhdt. auf den Fundamenten einer sächsischen Kirche erbaut. Nach der Auflösung der Klöster durch Heinrich VIII. blieb der Bau einfach stehen, weil die Stadt ihn nicht aufkaufen wollte. Fast hundert Jahrre später wurde die Kirche dann doch noch geweiht. An der Fassade ist der Traum Bischofs Oliver King verewigt, der die Kirche bauen ließ: Engel, die die Himmelsleiter hinauf und herab klettern. Auf dem Kirchplatz tost das Leben, Straßenmusikanten und andere Künstler treten auf, hier trifft sich die Welt! Noch einmal bummelten wir durch die eleganten Wohnstraßen und Parks. Interessant sind die palastartigen Fassaden wie z. B. am Queens Square, hinter denen sich, wenn auch komfortable, Reihenhäuser verbergen. In Bath gibt es wunderhübsche große und kleine Läden. Unter anderem entdeckten wir einen fantastischen Küchenladen, der sich hinter einer recht unscheinbaren, kleinen Fassade im Inneren zu einem riesigen Geschäft mit außerordentlich großer Auswahl entpuppte. Zudem entdeckten wir eine Bloomsbury's-Filiale, die natürlich mit großem Tamtam schon für den 7. Harry-Potter-Band warb. In der Markthalle kann man alles mögliche erstehen: von Perlen über Küchenartikel, Kaffes und Tees bis zu Büchern und Bastelkram! die Auswahl ist allerdings anders als in den Markthallen, die wir von Frankreich her kennen: Es gibt keine Fressalien!
Diese hübsche, italienisierende Brücke über den Avon ist eine kleine Hommage an die Rialto-Brücke in Venedig. Auch sie hat winzige Ladenzeilen auf beiden Seiten. Am hübschesten ist der Blumenladen in der Mitte.
Freitag, 22.06.07 DYRHAM PARK Heute war mal wieder eine Hausbesichtigung angesagt: Dyrham Park stand auf unserem Programm. Vom Parkplatz aus muss man ein ordentliches Stück durch ein Wildgehege laufen (oder in einem kostenlosen Shufflebus fahren), bis man das Haus am Fuße eines langen Hangs sehen kann. Zur Zeit des Erbauers im 18. Jhdt. befand sich rund um das Herrenhaus ein großer, eleganter Barockgarten, der weit und breit nicht seinesgleichen fand. Aber schon Ende des 18. Jhdts. wurde fast alles in diese Parklandschaft umgewandelt, die man jetz tsehen kann, übrig blieben auf der einen Seite ein paar Bäume und eine Neptun-Statue, von der einst Wasserkaskaden herunter flossen, die sich als breite Gräben durch den ganzen Garten zogen.
Auf der anderen Seite des Hauses ist noch ein Stück des formalen Gartens erhalten geblieben. In der Orangerie fanden wir abereine Zeichnung des Gartens, wie er damals aussah:
Das Herrenhaus war ursprünglich ein Tudor-Haus, das durch Heirat in den Besitz von William Blathwayt geriet, der sich große Verdienste im diplomatischen Dienst erworben hatte. Nach dem Tode seiner Frau ließ er das Haus im späten 17. Jhdt. in einen barocken Prachtvilla umbauen. Man erkennt deutlic hseine Vorliebe für den holländischen Stil, es gibt viele holländische Gemälde, holländisch inspirierte Möbel und eine Sammlung kostbarer Delfter Fayencen. Bis auf die im 19. Jhdt. modernisierten Dienstbotenräume ist das Haus ungefähr so erhalten geblieben bzw. wieder restauriert worden, wie es einmal gewesen ist, seine Nachkommen hatten wohl kein Interesse (und auch nicht das Geld) um etwas zu verändern. Am besten gefiel uns die Orangerie. Ansonsten wirkt alles recht düster und und ein bisschen herb-männlich!
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