Hier findest du einen Reisebericht über unseren Urlaub 2007 in England.
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Inhalt: Die dritte Woche
| Samstag, 23.06.07 CROYDE BAY Das Meer rief und wir folgten diesem Ruf. An Bristol vorbei ging nach Croyde. Der anvisierte Campingplatz war 1. überfüllt und 2. auch mit dem ganzen Surfer-Trubel nicht ganz nach unserem Geschmack, aber wir fanden noch einen ruhigeren und eigentlich viel schöneren Platz in der Nähe: Bay View Farm Holidays. Die "Farm" äußert sich darin, dass auf dem Platz den ganzen Tag eine Gänseherde herum lief, die von den Campinggästen mit Brotkrumen gefüttert und von allen Kindern geliebt wird! Ab und zu rannten auch ein paar wohlgenährte Hühnerdamen samt ihrem stolzen Hahnerich durch die Gegend. Noch am selben Tag zog es uns an den Strand. Abends stellten wir fest, dass die kleine Bratküche am Campingplatz offen hatte, und so bekamen wir zum Abendbrot endlich Fish and Chips. Die Portionen waren riesig, die Pommes handgeschnitzt, aber auf den traditonellen Schuss Essig dazu haben wir doch lieber verzichtet... Sonntag, 24.06.07 In der Nacht schauerte es teilweise recht heftig, und auch morgens gab es immer wieder Regen. Wir beschlossen, dass wir einen "faulen Tag" nötig hätten. Unsere Aktivitäten beschränkten sich darauf, im und am Wohnwagen herumzupusseln. Nachmittags beschloss der Rabenmann dann aber doch noch, sich in die Fluten zu stürzen.
Er musste allein zum Strand wandern, denn es dräuten immer wieder dicke, schwarze Wolken, und die Rabenfrau las ihr Buch deshalb lieber in der blauen Villa weiter. Hinterher konnte sich der schnatternde Rabenmann dann bei einer gemütlichen Kaffeestunde im Wohnwagen wieder aufwärmen. Montag, 25. 06.07 BRAUNTON
Seltsamerweise konnte das Wetter noch schauerlicher werden als am Sonntag! Es regnete praktisch ununterbrochen! Nach einem "vergammelten" Vormittag setzten wir uns ins Auto und fuhren nach Braunton, um ein bisschen durch die Stadt zu bummeln. Es ist so ein richtiger Badeort mit vielen Surferläden. Aber zu unserer großen Freude gab es auch dort einen wunderbaren Haushaltswarenladen! Abends klarte das Wetter auf, wir sahen sogar noch die Sonne, bevor sie hinter einer neuen Wolkenwand unter ging. Dienstag, 26.06.07 HARTLAND ABBEY In der Nacht kein Regen! Morgens war es auch noch trocken! Somit war der Tag freigegeben für eine Besichtigung. Wir machten uns auf zur Hartland Abbey. Wie so viele englische Herrensitze war auch dieser ursprünglich ein Kloster. Im 16. Jhdt. hat Heinrich VIII. es aufgelöst und es es dem Searganten seines Weinkellers überlassen. Hartland Abbey befindet sich immer noch im Besitz von dessen Nachkommen, die dort auch wohnen . Mit den ganzen Bildern, Handarbeiten, den edlen, aber durch langen Gebrauch leicht schäbigen Möbeln und den Erinnerungsstücken von Generationen macht es einen sehr persönlichen Eindruck, fast, als besuche man Lady Angela und Lord Hugh Stucley, die jetzigen Besitzer (verwandt mit dem Haus Hannover, allerdings "the wrong side of the blanket") privat, obwohl man sie natürlich nicht zu Gesicht bekommt. Der Speisesaal verfügt über eine besondere Rarität: Einen runden Esstisch, der sich durch einen raffinierten Drehmechanismus auf die doppelte Größe ausziehen lässt. Angeblich gibt es davon nur noch 2 weitere Exemplare.
Hier servierten nette Damen von der nahegelegenen Kirchengemeinde den unvermeidlichen Creamtea, aber auch selbstgebackene Kuchen und kleine Snacks. Sehenswert ist auch der große Garten. Er liegt in einem engen Tal und ist dadurch vor den rauhen Seewinden geschützt. Es gibt verschiedene Bereiche, von denen einige im 19. Jhdt. von der großen Gartenarchitektin Gertrude Jekyll angelegt worden sind. Die "geheimen" ummauerten Gärten, die man über eine kleine Wanderung über raffiniert angelegte Waldpfade erreicht, gefielen uns am besten. Über eine Schafweide und Wiesen gelangt man per Pedes über eine holprige Privatstraße in einer halben Stunde zur spektakulären, sturmumtosten, gräflichen Privatbucht an der Steilküste. Dort gibt es ein winziges, einsames Cottage, das man mieten kann *träum*
Ach
ja: Ein Hoch auf die englischen öffentlichen Klos! Meistens umsonst und meistens
sauber... Mittwoch, 27.06.07 Anfangs schien morgens sogar noch die Sonne. Allerdings war es nicht warm genug, um draußen zu frühstücken. Beim Einkaufen entdecken wir im Supermarkt eine Zeitung mit Berichten aus sden englischen Katastrophengebieten. Wir beschlossen, dass wir trotz des kühlen, durchwachsenen Wetters und des bald wieder einsetzenden Regens doch wieder Glück gehabt haben! In einem der örtlichen Gartencenter erstanden wir wieder allerhand Zeug, unter anderem eine praktische Picknickdecke, die inzwischen auch schon in Ulm beim Schwörmontag in der Au zum Einsatz gekommen ist. Nachmittags stürzte sich der Rabenmann trotz Regens noch einmal mit dem Bodyboard in die Fluten. Abends hatte wieder die Bratküche geöffnet, und so brauchten wir nicht kochen. Donnerstag, 28.06.07 SALISBURY Tschüs, Küste! Wir packten zusammen und machten uns wieder auf den Weg ins Landesinnere. Schon mittags gelangten wir an unser Ziel: Salisbury. Unseren Campingplatz kannten wir schon von unserem Aufenthalt dort vor zwei Jahren. Er liegt in Wilton am Salisbury Race Course und wird von einer netten, alten Lady geleitet. Gleich nach dem Kaffetrinken brachen wir auf zum Wilton Garden Centre, das wir auch schon vor zwei Jahren besucht hatten. Es war immer noch so schön und so gut sortiert wie damals, und wir erstanden einen kleinen, altmodischen Tisch mit zwei Stühlen für unseren Balkon, die aussehen, als seien sie aus Eisen gegossen, in Wirklichkeit sind sie aber aus Aluminium.
Freitag 29.06.07 OLD SARUM Nachts und morgens gingen wieder heftige Schauer nieder. Trotzdem beschlossen wir, einen Ausflug in die Vergangenheit zu wagen. Gleich morgens nach dem Frühstück ging es los. Zuerst stand Old Sarum, der ältesten bekannten Siedlung Englands, auf dem Programm. Bei strömendem Regen langten wir dort auf dem Parkplatz an und blieben zunächst mal im Auto sitzen, um abzuwarten, ob es vielleicht noch besser würde. Tatsächlich, es wurde! Und so besichtigten wir die Ruinen der alten Siedlung, in der schon über 4000 Jahre Menschen gelebt haben, fast schon bei Sonnenschein! Die ersten Menschen, die hier lebten, waren steinzeitliche Jäger. Sie haben Waffen und Werkzeuge hinterlassen, die heute im Museum von Salisbury zu sehen sind. Nach ihnen kamen Farmer, denn man hat Überreste ihrer Felder auf der Hochebene gefunden. Während der Eisenzeit, um 500 v. Chr., begann man mit dem Bau der beiden gewaltigen Erdwälle und Gräben, die man heute noch sehen kann. Nacheinander kamen dann Römer (um 50 n. Chr.) , Sachsen (um 500) und schließlich die Normannen (1069), Wilhelm der Eroberer, der hier alsbald einen hölzernen Palast errichten ließ, hat hier 1077 seine Truppen ausgezahlt, 1086 trafen sich hier die großen Landbesitzer seines Landes, um ihren Eid auf die Krone zu schwören. Nach und nach entwickelte sich er Ort zu einer sehr lebendigen Stadt mit steinernen Bauwerken und einer großen Kathedrale. So ähnlich hat es vielleicht damals ausgesehen. Leider wurde es bald zu eng auf dem Berg, die Stadt litt unter Wassermangel, und Querelen zwischen der Kirche und den weltlichen Herrschern drohten, sie zu zerreiben. Daher beschloss die Kirche, unweit an den Ufern des Avon eine neue, jungräuliche Kirche zu errichten. 1220 wurde mit dem Bau begonnen, und schon nach 40 Jahren war sie vollendet. Nach und nach siedelten die Menschen dorthin um, es entstand eine neue Stadt. Old Sarum wurde schließlich komplett verlassen, die steinernen Paläste wurden als Steinbruch genutzt. So sind heute nur noch die buckeligen Grundmauern erhalten geblieben, von denen man eine grandiose Aussicht auf die neue Stadt genießt: Salisbury!
AVEBURY Das Wetter wurde nun richtig schön, und wir fuhren nach Avebury, dem idyllischen, kleinen Dörfchen mit dem wohl größten Steinkreis Europas. Die 15 Hektar große, neolithische Kultstätte besteht aus drei Ringen aus einzelnen geglätteten Sarsensteinen, umgeben von enormen, grasbewachsenen Erdwällen und Gräben. Der äußere Kreis hat einen Durchmesser von 427 m. Die Steine wurden zwischen 2500 und 2000 v. Chr. aus den Marlborough Downs her geschafft. Erbauer waren die Glockenbecherleute, die auch für Stonehenge verantwortlich sind. So ähnlich soll es ursprünglich mal ausgesehen haben. Das Dörfchen hat sich samt Manorhouse und Pfarrkirche darin eingenistet, eine Straße führt hindurch, Schafe weiden dort. In den vergangenen Jahrhunderten hat man die Steinkreise ordentlich geplündert, im Manorhouse und in der Pfarrkirche kann man noch eingebaute Steinbrocken sehen. Erst im in den 20er Jahren bemühte sich der Archäologe Alexander Keiller um das Monument und seine systematische Erforschung und die Sicherung der Funde. SILBURY HILL In der Nähe von Avebury besichtigten wir noch den Silbury Hill, die "Pyramide von Wiltshire", die um 2800 v. Chr. errichtet wurde. Es ist der größte prähistorische künstliche Hügel in Europa und sogar einer der größten der Welt. Wegen Restaurierungsarbeiten konnten wir das Gelände leider leider nicht betreten und das Monument nur vom Parkplatz aus bestaunen. Dafür konnten wir uns mit einer jungen Dame vom Archäologenteam unterhalten, die uns erzählte, dass der künstliche Hügel ungefähr 30 m hoch ist Seine Erbauung hat etwa 4 Millionen Arbeitsstunden erfordert.Es muss also von hoher kultischer Bedeutung gewesen sein. Heute weiß allerdings niemand, welchem Zweck er dermaleinst gedient hat. Man hat dort keine Gräber gefunden, und es gibt auch keinerlei Hohlräume, abgesehen von einigen Tunnels die im 18. und 19. Jhdt. in den Hügel gegraben wurden, weil man hoffte in seinem Inneren große Schätze zu entdecken. Da die tunnels damals nicht richtig wieder aufgefüllt wurden, brechen sie jetzt zusammen, und das Monument muss restauriert werden. WEST KENNET LONG BARROW
Vom Silbury Hill ist es nur ein kleiner Fußmarsch bis zum West Kennett Long Barrow, dem vielleicht größten und besterhaltenen Ganggrab in England. Es ist fast ca. Jahre älter als der Silbury Hill. Die Arbeiten dafür begannen 3600 Jahre v. Chr. Der Barrow est ungefähr 100 m lang, die Grabkammer erstreckt sich etwa 10 m in die Tiefe. Davon gehen symmetrisch 5 seperate Kammern ab. Das Grab wurde etwa 650 Jahre lang benutzt. In dieser Zeit wurden etwa 50 Menschen jeglichen Alters darin bestattet, deren Knochen anscheinend mehrfach, vielleicht rituell, umgebettet wurden. Danach hat man das Grab mit Erde aufgefüllt und versiegelt und die großen Sarsensteine, die seinen Eingang markieren, wurden aufgestellt. Das war etwa zu der Zeit, als mit dem großen Steinzirkel von Avebury begonnen wurde. Ob das eine Wende in den kultischen Vorstellungen der damaligen Menschen bedeutet hat, und was es für Menschen waren, deren Knochen in dem Barrow bestattet wurden, wird man vielleicht niemals heraus finden.
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