Rabenurlaub in England
Hier findest du einen Reisebericht über unseren Urlaub 2007 in England.

 
Juni 2007
Die vierte Woche

Inhalt:

Die vierte Woche

  • Wilton
  • Salesbury Cathedral
  • Pevensey
  • Bateman's, das heim Rydyard Kiplings
  • Seven Sisters und Birling Gap, die Kreidefelsen
  • Bodiam Castle

Samstag, 30.06.07

Wilton House

Es regnete ohn' Unterlass! Trotzdem hatten wir die feste Absicht, Wilton House zu besichtigen. Wo es heute steht, befand sich einst ein Nonnenklosters aus dem 9. Jhdt., das von König Alfred gegründet wurde. Später stand dort eine Benediktiner-Abtei. Heinrich XVIII. hat das Kloster Mitte des 16. Jhdts. aufgelöst und das Anwesen William Herbert übergeben. Es ist seitdem immer im Besitz dieser Familie geblieben. Heute wohnt dort der 17. Earl of Pembroke.

Es war immer ein Treffpunkt für Dichter und Künstler, sogar Shakespeare soll sich dort aufgehalten haben. Als Teile des Tudor-Anwesens abbrannten, ließ der 4. Earl 1647 von den künsten Architekten seiner Zeit ein neues Gebäude in dem damals ganz neuartigem Stil der Renaissance errichten. Neben den architektonischen Kostbarkeiten soll man auch unschätzbar wertvolle Gemälde sehen können, darunter Tizians, Rembrandts, Rubens, Tintorettos, Unmengen von van Dyks...

Leider konnten wir das alles nicht bewundern, denn es stellte sich heraus, dass das Haus an Samstagen leider für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Wir hätten nur die prachtvollen Gärten ansehen können. Aber da es immer noch schüttete wie aus Kübeln, nahmen wir davon Abstand und begaben uns lieber in das Shopping-Village, das in den Gebäuden der ehemaligen Royal Wilton Carpet Faktory untergebracht ist. Im 17. Jhdt. war das die erste Teppichmanufaktur der Welt, dank zweier vom damaligen Earl of Pembroke eingeschmuggelter, französischer Teppichweber. Wilton Teppiche genossen damals sehr großen Ruhm, man findet sie immer noch in vielen Schlössern, öffentlichen Gebäuden und Privathaushalten. Nach einigen Aufs und Abs sind inzwischen wieder 100 Leute in der Fabrik beschäftigt. Auf dem Gelände befindet sich ein kleiner Laden, in dem man diese Teppiche und Teppichböden kaufen kann.

In einem der vielen kleinen Outlets, die sich in den ehemaligen Fabrikgebäuden angesiedelt haben, fanden wir einen wundervollen Quilt für unser zukünftiges Gästezimmer.

Salisbury Cathedral


Salisbury Cathedral Church to the Blessed Virgin

Jetzt stand uns der Sinn denn doch noch nach ein wenig Kultur. Wir fuhren rein nach Salisbury, stellten unser Auto auf einem der großen City-Parkplätze ab, und nachdem wir uns in einem kleinen Café mit einem original englischen Croque Monsieur gestärkt, und uns in einerder herumliegenden englischen "Bildzeitungen" über die neuesten Überschwemmungen informiert hatten, begaben wir uns zur Salesbury Cathedral. Der gesamte Kathedralkörper wurde ab 1220 in nur einer einzigen Bauphase ohne Unterbrechung in nur 45 Jahren errichtet. Das war im Mittelalter eine große Seltenheit. So zeigt sich die Kirche als reines, geschlossenes Beispiel für die englische Frühgotik.


Im Kreuzgang

Wir hatten Glück und konnten eine "Tower Tour" buchen und der Kirche sozusagen auf's Dach steigen. Auf hölzernen Stegen ging es über das Seitenschiff bis auf das Gewölbe des Hauptschiffs. Erstaunlicherweise gibt es immer noch viele Originalbalken, deren Holz inzwischen regelrecht versteinert ist.


Die eisernen Verstärkungen im Turm (19. Jhdt.)

Interessant war auch die Besteigung des Turms. Mit seinem Bau wurde 50 Jahre nach der Vollendung der Kirche begonnen, 1380 wurde er fertig gestellt und mit einer Reliquie in der obersten Spitze gekrönt. Mit seinen 125 m Höhe ist er der höchste Kirchturm, der komplett im Mittelalter gebaut wurde. Über einem hölzernen Innengerüst in die Höhe gemauert, blieb der Turm ein ständiges Risiko: Man kann in der Vierung die durchgebogenen, später verstärkten und mit Scherenbögen versehenen Pfeiler noch gut sehen. Im 19. Jhdt. wurden eiserne Gerüste eingezogen, die die Turmmauern zusamenhalten sollen.


Die verregneten Straßen von Salesbury

Durch die stillen Straßen (die meisten Geschäfte schließen um 17 Uhr 30!) wanderten wir dann zurück zu unserem Auto und fuhren zurück zum Campingplatz.

Sonntag, 01.07.07

Pevensey

Wieder einmal brachen wir unsere Zelte ab und machten uns auf zum nächsten Campingplatz. Dieses Mal ging es schon wieder deutlich zurück in Richtung Dover, nach Pevensey. Auch diesen Platz kannten wir bereits von unserem letzten Aufenthalt her. Er liegt im neueren Teil der Stadt, dem Küsten-Resort: Pevensey-Bay, direkt am Meer. In römischen Zeiten stand hier schon ein kleines Fort, Anderida.

Nach dem Abzug der Römer hatten die Briten es noch einige Zeit halten können, bis die Sachsen sie im 5. Jhdt. besiegten. Wer nicht fliehen konnte, wurde nieder gemacht. Das Fort lag lange Zeit verlassen, bis 1066 vorübergehend Harolds Armee hier stationiert war, um eine norwegische Invasion abzuwehren. Als dann allerdings Wilhelm der Eroberer mit seinem normannischen Heer hier landete, war sie gerade an anderer Stelle beschäftigt, und Wilhelm konnte mit seinen Truppen bis Hastings ziehen, wo sie, wie man weiß, Harold besiegten und Wilhelm so seinen Anspruch auf die englische Krone durchsetzen konnte. Übrigens hat die heutige englische Königsfamilie dennoch Harolds Blut in sich, nämlich über eine seine Töchter, die nach Russland geheiratet hatte.


Die Landung von Wilhelms Truppen
auf dem Teppich von Bayeux

Das Fort gab Wilhelm seinem Halbbruder Robert, der auf den römischen und angelsächsischen Überresten seine Burg errichten ließ. In der Folge wurde sie mehrmals belagert und erobert. Elizabeth I wollte sie zerstören lassen, der Befehl wurde allerdings nicht ausgeführt. Im 2. Weltkrieg hat man versucht, Pevensey Castle mit modernen Waffen aufzurüsten, um die befürchtete Invasion der Deutschen aufzuhalten. Heute kann man nur noch Ruinen besichtigen.

Die eigentliche Attraktion Pevenseys ist aber der lange Kiesstrand. Es gibt hier keinen Trubel und keine Hotels, er ist einfach nur "da"!


Der Strand in Pevensey Bay

Montag, 02.07.07

Bateman's

In der Nacht hatte es schon kaum noch geregnet, morgens kam sogar ab und zu die Sonne durch. Wir fuhren nach Burwash, um uns Bateman's anzusehen, das Heim Rydyard Kiplings.


Bateman's

Das Haus wurde 1634 erbaut, wie es heißt, war der Bauherr ein reicher Eisenwarenhändler. Die Kiplings kauften es 1902 und richteten es mit Antiquitäten im Stil des 17. Jhdts. ein. Es war ihr Refugium, nachdem die älteste Tochter im Alter von 6 Jahren gestorben war. Carrie Kipling, Rydyards Frau, lebte nach seinem Tode auch noch alleine hier, und sie sorgte dafür, dass das Haus nach ihrem Tod an den National Trust fiel. So ist alles so erhalten geblieben, wie es zu seinen Lebzeiten ausgesehen hat: Die niedrigen Balkendecken, Mitbringsel aus fernen Ländern, Kiplings gemütliches Studierzimmer, das kleine Wohnzimmer der jüngeren Tochter Elsie mit dem Bücherregal voller zeitgenössischer Krimis...


Der Rosengarten

Auch der Garten sieht noch genau so aus wie damals, einige Teile hat Kipling selber geplant, man kann die Zeichnungen an der Wand seines Studierzimmers sehen. Der Rosengarten wurde mit dem Geld aus seinem Literatur-Nobelpreis finanziert. Inzwischen sind die Rosen alt geworden. Wer will, kann eine Patenschaft für neue Rosensträucher übernehmen!

Kipling war sehr interessiert an moderner Technik: Er installierte in der alten Wassermühle auf seinem Grundstück eine Turbine, die es erlaubte, abends im Haus für 4 Stunden elektrisches Licht zuhaben. Er war auch einer der ersten Automobilisten, sein Rolls Royce, auf den er trotz gelegentlicher Unzuverlässigkeit sehr stolz war, steht noch in der Garage.

Seven sisters und Birling Gap

Auf dem Rückweg beschlossen wir, noch an die Steilküste zu den "Seven Sisters" zu fahren. Das Wetter war immer noch sehr unzuverlässig, und so verzichten wir auf die Wanderung an der Küste entlang und fahren nach Birling Gap.


Birling Gap

Der winzige Ort, der sturmumtost hoch oben auf den Kreidefelsen thront, besteht nur aus einer Reihe von kleinen, etwa hundert Jahre alten Cottages und einem Hotel-Restaurant. Er ist ständig von Erosion bedroht: In den letzten 100 Jahren ist die Küstenlinie um etwa 60 m ins Landesinnere gewandert, wobei einige der Cottages dem bereits zum Opfer gefallen sind. Die Meinungen sind kontrovers: Soll man den Ort mittels einer Spundwand retten? Oder soll man der Natur ihren Lauf lassen und zulassen, dass die Erosion weiter fortschreitet und das Dorf irgendwann ganz verschwindet?

Als wir die eisernen Treppen hinunter stiegen, die zum Meer führen, zieht uns der starke Wind schier die Jacken aus, aber unten ist es seltsamerweise fast windstill. Dennoch ist das Meer ziemlich wild. Aber ein paar Verrückte Unentwegte sind trotzdem mit Bodyboards und kleinen Paddelbooten zugange! Die weißen Kreidefelsen, die im Gegensatz zu denen in Dover wirklich noch weiß sind, bieten wirklich einen eindrucksvollen Anblick! Es sollen die Überreste eines Gletschertales sein, das später vom Meer überschwemmt wurde.


Seven Sisters/Birling Gap

Angeblich soll man am Fuß der Felsen viele Versteinerungen finden. Wir hatten leider kein Glück bei der Suche, aber wir füllten uns die Jackentaschen mit Lochsteinen und ein paar dicken, runden Steinen für den Garten.

Dienstag, 03.07.07

Bodiam Castle

Das Wetter war immer noch durchwachsen, aber wir waren mutig und wollten uns Bodiam Castle ansehen. Es ist ein Wasserschloss wie aus dem Märchen. Sir Edward Dalyngrigge hat es 1385 erbauen lassen, indem er die Erlaubnis seines Königs, sein Herrenhaus zu "befestigen" etwas freizügig auslegte. Dalyngrigge hatte bei Feldzügen (Raubzügen?) in Frankreich ein Vermögen gemacht, und so war das Schloss damals trotz Schießscharten, Wehrtürmen und Wassergraben mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet, die das Mittelalter bot.


Bodiam Castle

Die Wehrhaftigkeit des Schlosses wurde nie ernsthaft auf die Probe gestellt, Fachleute meinen sogar, sie hätten einer Belagerung kaum standhalten können, weil der Graben leicht hätte trocken gelegt werden können und die Zinnen nicht hoch genug gewesen seien. Wie dem auch sei, das Schloss überlebte unzerstört bis zum Bürgerkrieg. In dieser Zeit wurden die inneren Gebäude fast vollständig zerstört.


Innen ist es fast völlig zerstört

In der Folge zerfiel es immer weiter, bis Lord Curzon es Anfang des 20. Jhdts. erwarb und sich seiner Erhaltung widmete. MIt seinem Tod ging die Anlage an den National Trust über.

Obwohl fast nur noch die Außenmauern stehen, fanden wir das Schloss doch sehr romantisch. Einige der Türme kann man sogar noch erklimmen, und der Rabenmann war kaum zum Gehen zu bewegen, als plötzlich dicke Gewitterwolken aufzogen. Gerade noch rechtzeitig retten wir uns in den kleinen Andenkenladen!


Das war ein ordentlicher Wolkenbruch!

Wir hatten bei dem Regen genügend Zeit, uns die angebotenen Waren zu betrachten: Es gab Duftsäckchen und duftendes Schrankpapier, Parfum, Vogelhäuschen und kleine Gartengeräte, bedruckte Stoffe, spezielle Süßigkeiten und Kekse (biologisch, versteht sich!), sogar CDs für dynamische Hausfrauen und starke Männer (jeweils mit Musik aus den 50ern). Anschließend gönnten wir uns noch Tee im kleinen Tea-Room.

Mittwoch, 04.07.07

Das war unser letzter, ganzer Tag in England! Er war recht sonnig, wir konnten sogar draußen frühstücken. Der Tag verging mit Lesen, Einkaufen, am Wohnwagen herumpusseln... Wir machten noch einen schönen Spaziergang am Strand. Leider war die Tide nicht für's Bodyboarden geeignet, so dass der arme Rabenmann keine Lust verspürte, sich ein letztes Mal in die Fluten zu stürzen.


Strand-Müll

Donnerstag, 05.07.07

Frühes Aufstehen war angesagt, damit wir unsere Fähre in Dover erwischten. Es klappte alles wunderbar, obwohl die Rabenfrau es immer aufregend findet, bis man auf der Fähre ist. Dabei wird man eigentlich ganz gut durch die Stadt geleitet. Man sieht übrigens kaum etwas von ihr. Wir wissen also nicht, ob es auch schönere Ecken dort gibt als die schmuddelige Hafengegend.


Tschüss, England!

Wir übernachteten wieder auf "unserem" Campingplatz unter der Autobahnbrücke in Mamer (Luxemburg). Vor unserer Ankunft hatte es gerade mal wieder heftig geschüttet, so durften wir uns wieder auf dem geschotterten Parkplatz direkt unter der Brücke installieren.


Die blaue villa unter der Autobahnbrücke

Dem Rabenmann machte das Donnern der LKWs auf der Brücke angeblich nichts aus, und die Rabenfrau hatte Ohrstöpsel dabei. Daher überstanden wir die Nacht wieder ganz gut.

Freitag, 06.07.07


Fahrn, Fahrn, Fahrn auf der Autobahn...

Wir fuhren und fuhren, und am frühen Abend waren wir wieder in der Rabenstadt. Nun hieß es noch, die blaue Villa und das Auto auszuräumen, Mitbringsel zu verstauen und die Wäscheberge zu beseitigen. Dann hatte der Alltag uns wieder. Irgendwie freute ich mich nach der langen Reise auch darauf, auf die Jungs, auf unsere Freunde, ja, sogar ein bisschen auf die Arbeit...