Sonntag, 05.07.2009
Morgens Graue Wolken mit Nieselregen, wir hatten Tendenz lustlos und beschlossen, wieder einen faulen Tag einzulegen. Ich dezimierte meinen Bücherberg, und Peter ging, nachdem nachmittags doch wieder die Sonne heraus kam, seinen Body in der Ostsee wässern. Schön war es nicht, meinte er, es schwammen überall Algen herum, und das Wasser war ihm zu flach.
Unsere Ecke vom Campingplatz war zeitweilig nicht besetzt, und dann konnten wir immer Unmengen von Kaninchen beobachten, die überhaupt keine Angst vor den ganzen Campern haben:
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Montag 06.07.2009
Es war ein bisschen schwierig, sie zu finden, die Bundesgartenschau! Aus der Richtung, aus der wir in die Stadt kam, war sie sehr schlecht ausgeschildert. Als wir endlich dort vor gefahren kamen, gab es dort überhaupt keine Parkplätze. Wir wurden auf einen Platz am Bahnhof verwiesen, von dem aus man mit der Straßenbahn vorfahren konnte. Wir fuhren schwarz, denn der Fahrkartenautomat konnte nicht wechseln!

Schwimmende
Wiese
Nun, wirklich geschwommen ist sie nicht, die Schwimmende Wiese gleich neben dem Haupteingang! Es war ein rechteckiger Bereich mit sehr naturnahen Pflanzen und vielen Gräsern direkt am Burgsee. Man konnte auf den Rasenbereichen direkt an den Staudenpflanzungen entlang laufen. Schön!
Als wir am Schloss an kamen, fing es gerade an zu regnen. Deswegen haben wir es dann auch besichtigt. Viele Räume sind inzwischen restauriert, teilweise auch mit Möbeln aus der damaligen Zeit möbliert. Man nennt es auch das "Versailles des Nordens" und vergleicht es auch mit Neuschwanstein. Schon vor über 1.000 Jahren gab es an dieser Stelle eine slawische Burganlage, von der man bei Ausgrabungen noch Überreste gefunden hat. Der Grundstein der heutigen Schlossanlage wurde schon bei der Stadtgründung im 12. Jhdt. gelegt. Das Schloss ist dann immer wieder erweitert und umgebaut worden. Von den mittelalterlichen Teilen ist dabei nichts erhalten geblieben.
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Mitte des 19. Jhdts wurde das Schloss anlässlich der Rückverlegung der Fürstenresidenz in die Stadt so ausgebaut, wie man es heute sehen kann. Verantwortlich dafür waren der damals herrschende Friedrich Franz II., der 1842 mit 19 Jahren den Thron bestieg, und sein Hofbaurat Georg Adolph Demmler. Das Schloss gehört zu den bedeutendsten Bauten des europäischen Historismus. Natürlich hat so ein historisches Bauwerk auch einen Schlossgeist: Es ist das Petermännchen, ein kleiner Mann von Zwergenggröße, der sogar einmal Wallenstein vertrieben haben soll. Angeblich treibt er sich immer noch im Schloss herum, wir haben ihn aber nur in Form eines Gemäldes zu sehen bekommen.

Heute arbeiten im Schloss der mecklenburg-vorpommersche Landtag und seine Fraktionen. Trotzdem kann man die Belétage und die prunkvollen Festsäle besichtigen. Teilweise sind sie auch mit Möbeln aus der damaligen Zeit eingerichtet, so dass man sich gut vorstellen kann, wie man dermaleinst dort gelebt und gefeiert hat. Leider durfte man im Schloss nicht fotografieren, aber im Internet findet man alles, auch das wunderschöne Blumenzimmer (=>Panoramabild) und den bombastischen Thronsaal (=>Panoramabild).

Durch den hübschen Burggarten, vorbei an der Orangerie, die für damalige Zeiten erstaunlicherweise direkt an das Schloss angebaut wurde und heute ein Restaurant beherbergt, ging zurück in das Gartenschaugelände. Die Rosen im Rosengarten am alten Marstall waren natürlich schön, der Garten selber war mir persönlich aber zu ordentlich. Da bin ich von den englischen Gärten doch Anderes "gewöhnt".

Über einen Steg ging es dann wieder zurück zum Hauptgelände. Gerne hätten wir in dem netten, strohgedeckten Café Kaffee getrunken, leider war schon um 16 Uhr der Kuchen aus. So ging es also erstmal hungrig weiter. Den angeblich weitgehend naturbelassenen "Naturgarten" sparten wir uns ("Wie Wald und Wiese aussehen, wissen wir ja auch so!" meinte der Rabenmann). Irgendwann fanden wir dann doch noch ein Café, und obwohl der Kuchen nicht besonders lecker war, brauchten wir doch mal eine Stärkung. Nachdem die Lebensgeister wieder angehoben waren, marschierten wir weiter und und kamen in den weitläufigen, formal angelegten Schlossgarten.


Witzig im Schlosspark: Die Wurzeln der Sumpfzypresse sahen aus wie eine Horde Erdmännchen:

Natürlich interessierte uns als Laubenpieper der Schrebergarten. Er war allerdings ziemlich konventionell angelegt, und wir sahen nichts Neues, außer diesem Erdbeerturm hier:

Erstaunlich, aus wieviel Gehölzen man mit viel Zeit und guter Schere Hecken ziehen kann, sogar aus Zieräpfeln!

Noch einen letzten Blick auf das Schloss, dann ging es wieder heim auf den Campingplatz, mit müden Füßen, aber mit vielen neuen Eindrücken angefüllt! Erkenntnis des Tages: Wir bräuchten einen größeren Garten und dazu eine Horde Gärtner (Ach, pflanzen sie die 200 Rosen einfach dort hin! Und den Juniperus bitte noch ausgraben")!

Dienstag 07.07.2009
Morgens faulenzten wir mal wieder auf dem Campingplatz, nachmittags ging es wieder nach Wismar. Als es anfing zu regnen, flüchteten wir uns zu Karstadt.

Karstadt
Das ist das "Ur-Kaufhaus", das der Kaufmann Rudolph Karstadt 1907/1908 hat errichten lassen, nachdem sein "Tuch-, Manufactur- u. confections-Geschäft" in dem erstmals Waren zum Festpreis verkauft wurden (vorher hatte man Preise immer ausgehandelt) trotz allgemeiner Skepsis so gut eingeschlagen war. Damals betrieb er schon 24 Kaufhäuser. Man kann dort immer noch einkaufen (Wir erstanden einen Pfannen-Rührlöffel und ein Küchenmesser für die Blaue Villa), auch wenn es mittlerweile recht altmodisch anmutet und wohl saniert werden müsste.

historische
Bürgerhäuser am Marktplatz
Der Wismarer Marktplatz ist mit seiner Ausdehnung von 1 ha der größte in Norddeutschland und zweifellos einer der schönsten. Prächtige Fassaden flankieren ihn von allen Seiten. Das rote Haus mit dem durchbrochenen Treppengiebel ist der "Alte Schwede" aus dem 14. Jhdt., das zu den ältesten Bürgerhäusern der Stadt gehört undseit dem 19 Jhdt. Restaurant ist. Rechts davon sieht man das rekonstruierte Reuterhaus, in dem der mecklenburgische Dcihter Fritz Reuter einmal gewohnt hat.
In der südöstlichen Ecke des Marktplatzes steht die "Wasserkunst", das Wahrzeichen Wismars, ein Brunnenhaus, das Ende des 16. bis Anfang des 17. Jhdts gebaut wurde, um die Bürgerhäuser und die öffentlichen Brunnen der Stadt mit Wasser zu versorgen. Das Wasser dafür wurde in hölzernen Rohren von umliegenden Quellen herbei geschafft. Die Wasserkunst versah ihren Dienst bis 1897.

Die
Wasserkunst
Das klassizistische Rathaus wurde Anfang des 19. Jdhdts. gebaut, nachdem das alte an gleicher Stelle eingestürzt war. Von ihm ist noch das Kellergewölbe erhalten, das man besichtigen kann.

Das
Rathaus von Wismar

Das
Baumhaus
Das Baumhaus ist kein Haus im Baum. Esstammt aus dem 18. Jhdt. und steht am alten Hafen, und hier hat der "Baumschließer" gedient, der den Hafen nächtlings und bei Gefahr mit dem sogenannten "Baum" (der anfangs wirklich ein Langholz, später eine Kette war) schließen musste. Heute ist es eine Galerie mit wechselnden Ausstellungen. Die beiden "schwedenköpfe" vor dem Eingang dienten früher zur Kennzeichnung der Fahrrinne im Hafen.
Mittwoch 08.07.2009

Noch einmal fuhren wir nach Schwerin, diesmal, um uns die Stadt anzusehen. Schwerin ist vermutlich um die Mitte des 12. Jhdts. gegründet worden, als Heinrich der Löwe den slawischen Fürsten Niklot besiegte.Er soll auch den Grundstein zum Dom gelegt haben, von dem allerdings nur noch die (zugemauterte) Paradiespforte erhalten geblieben ist. Der heutige Dom wurde von 1260 bis 1416 als gotische Basilika mit dreischiffigem Querhaus errichtet. Der Turm wurde erst gegen Ende des 18. Jhdts. angefügt. Der Dom beherbergt heute das Triumphkreuz aus der Wismarer Marienkirche.

Blick
über den Pfaffensee mit Dom
Innerhalb des Schweriner Stadtgebietes gibt es heute 12 Seen.

Fachwerkhäuschen
aus dem 17. Jhdt., eines
der ältesten Gebäude in der Stadt
Außer dem Dom gibt es nicht viele so alte Gebäude, denn die Stadt wurde im Mittelalter immer wieder von Feuersbrünsten zerstört. Misswirtschaft und Unfähigkeit der Herrscher machten ihr zu schaffen. Auch an den Folgen des 30jährigen Krieges waren schwer zu tragen. Schließlich wurde Schwerin so unattraktiv , dass sich die Fürsten von Mecklenburg Mitte des 18. Jhdts. aus der Stadt zurück zogen. Wirklich längere Zeit zu Wohlstand gelangte die Stadt wohl erst Anfang des 19. Jhdt, als die fürstliche Residenz nach Schwerin zurückverlegt und das Schloss wieder hergerichtet wurde.
Im 2. Weltkrieg kam die Stadt vergleichsweise glimpflich davon. Pläne der völligen Umgestaltung sowohl während der NS-Zeit als auch in der DDR-Zeit wurden glücklicherweise aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht. So sind noch schöne, alte Fassaden aus späteren Zeiten erhalten geblieben, die dann nach Ende der DDR wieder saniert werden konnten.



Einkaufsstraße
Schwerin ist die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands, es wirkt überhaupt nicht großstädtisch, Die Einkaufsstraßen und sogar das Regierungsviertel geben sich eher recht beschaulich.

Der
Rabenmann in einer der zahlreichen, gemütlichen
Suppenküchen, wo
wir einen Regenschauer bei
heißer Schokolade abwarteten

Die
Nikolai-Kirche in der Schelfstadt
Die Schelfstadt war früher ausßerhalb der Stadtbefestigung gelegen Die ersten Bewohner waren vermutlich Fischer, die nach der Gründung Schwerins aus dem Gebiet der Altstadt vertrieben worden waren. Lange Zeit war die Schelfstadt eine Art Slum. Erst im 18. Jhdt. ließen die damaligen Fürsten die Schelfstadt sanieren und förderte die Ansiedlung von Handwerkern. Damals wurde auch mit dem Bau der Nikolaikirche begonnen, die eine vorhandene, marode Kapelle ersetzen sollte.
Die Inneneinrichtung ist allerdings nicht mehr im Original erhalten sondern stammt aus dem 19. Jhdt. Die Uhr ist übrigens wohl die älteste "öffentliche Uhr" Schwerins und wird noch täglich von Hand aufgezogen.
Donnerstag, 09.09.2009
Fauler Tag

Abends
war ein riesiger Regenbogen zu sehen!
Wir hängen auf dem Campingplatz ab, suchen nach dem nächsten Ziel und dem nächsten Campingplatz. Letzteres erweist sich als gar nicht so einfach, denn die meisten Plätze sind schon voll. Zwischendurch bauen wir noch eben unser Vordach ab und räumten noch dieses und jenes im Wohnwagen auf.
Aufbruch nach Zingst
Wir fuhren in Richtung Rostock und kamen gerade noch vor der Mittagspause auf dem Campingplatz "Düne 6" in Zingst an, der einzige in Reichweite, der noch ein Plätzchen für uns frei hatte. Er erweist sich als High-Tech-Campingplatz mit Wellnessbereich, letzteren kann man umsonst nutzen, der Platz ist allerdings recht teuer, und man muss auf die Öffnungszeiten achten. Dafür ist er aber auch mehr oder weniger direkt am Meer gelegen.
Samstag, 11.09.2009
Zingst auf dem Zingst

Blick
von der Seebrücke, am äußersten Zipfel Land, da liegt
unser
Campingplatz
Der Tag begann ziemlch regnerisch, und wir beschlossen, nachmittags das kleine Städtchen Zingst zu erkunden. Eigentlich hat es, außer seiner Lage, nicht viel zu bieten. Aber der Strand ist hübsch, und es gibt sogar eine Seebrücke, und selbstverständlich ein Kurhaus! Wir ärgern uns ein bisschen, dass wir keine Fahrräder mitgenommen haben.

Das
stinkvornehme Kurhaus
In der kleinen Fußgängerzone gönnten wir uns einen riesigen Eisbecher und dann fuhren wir zum Lebensmittelmarkt, um unsere Vorräte aufzustocken.
Rabenurlaub
An der Ostsee
Hier findest du
einen Reisebericht über unseren Urlaub 2009 an der Ostsee
Juni/Juli 2009 Die zweite Woche | ||||||||
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